Daniele Dell'Agli : Essays : Gastrosophie


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Alles Käse? Eh Wurscht!

Zur gastrosophischen Idiomatik der Deutschen

„Es ist mir egal, was ich zum Frühstück esse, Hauptsache, es ist immer dasselbe.“
Ludwig Wittgenstein

Wenn der Mensch nach einem Spruch Feuerbachs „ist, was er isst“, so müßte Ludwig Wittgenstein Bauer sein und nicht Philosoph – getreu der Devise „was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“. Doch abgesehen davon, dass auch Philosophen – Feuerbach inbegriffen – Gewohnheitstiere sind und es in Österreich sicher Bauern gibt, die Wittgenstein heißen, ist es mit dem Wahrheitsindex solcher Redewendungen etwas vertrackter, als es zunächst den Anschein hat. Denn zwischen Essen und Sein vermittelt ein Bindeglied, das letztlich darüber entscheidet, wie das, was der Mensch isst, Teil seines Selbstverständnisses als Mensch und damit seines Seins wird: die Sprache. Zwar verdanken sich die konkreten Praktiken und Vorlieben an Herd und Tisch materiell den verfügbaren Ressourcen von Klima und Boden, Portemonnaie und Technologie; doch sie geben nicht vor, welche Bedeutung der Mensch ihnen verleiht und was für eine Kultur er daraus entwickelt. Einzig die Sprache gibt darüber Auskunft, wie der Mensch isst, und weil dieser immer schon gegessen und gesprochen hat, wenn er ein Mensch geworden ist, spielt das jeweils aktuelle Gerede übers Essen für seine organoleptische Biographie eine nur untergeordnete Rolle; entscheidend – und für den Beobachter verräterisch – ist die idiomatische Metaphorik, die sich im Laufe der Generationen in einem Sprachkörper sedimentiert hat, und zwar dadurch, dass die kulinarisch besetzten Begriffe in andere Kontexte auswanderten und dank ihrer einprägsamen Bildlichkeit weitgehend unbewusst die gastronomische Sozialisation noch Jahrhunderte nach ihrer Etablierung zu steuern vermögen: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. Wen erkennen? Oder was? Die Mentalität natürlich!

Trakt I: Tafelbeschwerden

Vor-Gänge

Fangen wir also mit dem Frühstück an: kann es ein liebloseres, ein nüchtern-pragmatischeres, ein phantasieloseres Wort für das erste (und für Deutsche angeblich wichtigste) Mahl des Tages geben? Ein „frühes Stück“ - wovon? Holz? Pappe? Leder? Man stelle sich im Italienischen „un primo pezzo“ oder „un pezzo mattutino“ vor! Oder ist vielmehr „ein Stück Frühe“ gemeint? Also ein Stück des Tagesanfangs herausgebrochen und – verbraucht? Dafür würde die despektierlich gebrauchte Verbalisierung verfrühstücken sprechen, mit der man bissig-scherzhaft das vorzeitige und gierige Aufbrauchen von Mitteln (z.B. Spesen) bezeichnet.

Ursprünglich ist der „erste Bissen“ des Tages damit gemeint gewesen: es wurde vom Brot ein Stück abgebrochen und reingeschoben, wie die Kids heute zu sagen pflegen. Dass mit dem Brot nie zimperlich verfahren wurde, belegen die etymologisch verwandten Brocken, Klumpen und Stulle zur genüge. Schnitte und Scheibe bezeugen zwar mittlerweile den Einzug des Brotmessers in deutschen Haushalten, an der Einstellung zur Sache dürften sie nichts geändert haben. Denn so ganz ohne Zutaten wird das Brot selbst in den ärmsten Haushalten nicht verdrückt: in der Regel kriegt man etwas aufs Brot geschmiert, was allerdings idiomatisch weder Pastete noch Marmelade meint, sondern Vorwürfe, unliebsame Wahrheiten, unangenehme Neuigkeiten und dergleichen Amuse-gueule mehr (und das beileibe nicht nur zum Frühstück, auch das asketische Abendbrot will mit derlei Tagesbilanzen garniert sein). Kein Wunder, dass man dem unliebsamen Tischnachbarn wünscht, der Bissen möge ihm (z.B. vor Beklemmung) im Halse stecken bleiben; und keine Überraschung, dass es zwar die Redewendung schlecht gefrühstückt haben fürs Verbreiten schlechter Laune gibt, aber kein kulinarisches Pendant fürs Gegenteil, für Sonnenschein und „good vibrations“. Schon zum Frühstück begegnet uns also eine Unart der deutschen Sprache: Übertragungen aus dem Bereich des Essens fast durchgängig pejorativ zu konnotieren. Die damit induzierte miese Stimmung kann dann nur noch durch Übelkeitsanfälle gesteigert werden, was dann im Volksmund rückwärts frühstücken genannt wird.

Wer bäckt das andere Brot?
Bertolt Brecht

Das erste Stück, der erste Bissen des Tages gehört traditionell dem Brot, daran hat auch die schwankende Müsli-Konjunktur nicht viel geändert. Und wenn wir im Folgenden ein idiomatisches Tagesmenü quer durch alle Mahlzeiten, Gänge und Naschgelegenheiten servieren, so wird sich eine Würdigung der Substrate unserer organoleptischen Erfahrungen schon aus ätiologischen Gründen hier und da nicht vermeiden lassen.

Viel verbraucht, wenn auch wenig geliebt sind in Deutschland einfallslos und fade gebackene weiße, grauweiße oder graugraue Lappen oder Leiber aus Weichweizen oder Roggen mit einer hauchdünnen Kruste, die meist schon vor dem Erkalten eine gummiartige Konsistenz annimmt und eher einer feuchten Rinde oder Schale ähnelt. Denn „frisches“ Brot ist in Deutschland niemals „knusprig“, sondern zunächst einmal feucht: sogar Ciabatta und Baguette muss man daheim nachbacken, ja selbst – Ehre wem Ehre gebührt – das einzigartige deutsche Vollkornbrot klebt an der dünnen Ökoumschlagfolie fest und muss, schon um Magenblähungen zu vermeiden, erst einmal zum Trocknen 10 Minuten bei 50° in den Ofen. Und sollte der Bäcker einem ausnahmsweise ein krachend bissfestes Brötchen über den Tresen reichen: entweder es zerkrümelt beim ersten Versuch, es aufzuschneiden oder es ist bereits auf dem kurzen Weg bis zum Frühstückstisch zu einer labbrigen Pappe verkommen. In beiden Fällen haben wir es dann mit einer Fertigbackmischung zu tun, die entweder zu lang oder zu kurz, bei zu hoher oder zu niedriger Temperatur im Ofen verweilte, wobei es das richtige Maß bei dieser Industrieware prinzipiell nicht gibt.

Dass offenbar niemand in Deutschland an dieser Barbarei Anstoß nimmt, kann man wohl nur als Symptom einer zahnlosen Kultur werten, die selbst halbverbranntes „Krustenbrot“ am liebsten unzerkaut hinunterschlingen möchte und dafür dem Grundnahrungsmittel par excellence – gleichsam zur Entschädigung – ein Museum, nämlich das Brotmuseum in Ulm errichtet hat. Die Sprache ist da weniger höflich und bietet für jede erdenkliche Gelegenheit, etwas als altmodisch, veraltet oder überholt zu qualifizieren, den Ausdruck altbacken an. Außerdem hat sie für die DIN-genormten Essschachteln so schmeichelnde Ausdrücke wie Wecken, Schrippen, Knüppel oder norddeutsch – passend zum Frühstück und der Abstraktion von allen sinnlichen Qualitäten – Rundstücke eingebürgert. Überhaupt scheint die Kategorie „Grundnahrungsmittel“ hierzulande nicht nur sprachlich von jeder weiteren Mühe und Phantasie der Verarbeitung zu dispensieren, Motto: was man ohnehin essen muss, braucht nicht weiter veredelt zu werden. Brot hat daher – ähnlich wie Kartoffeln und Nudeln – lediglich als Sättigungsbeilage zu dienen und als solche sich nicht eigens geschmacklich oder haptisch in den Vordergrund zu drängen. Darum fielen Brecht beim Vergleich der Gerechtigkeit mit dem Brot lauter negative Attribute ein: „Weg mit der schlechten Gerechtigkeit! / Der lieblos gebackenen, der kenntnislos gekneteten! Der Gerechtigkeit ohne Würze, deren Kruste grau ist! Der altbackenen Gerechtigkeit, die zu spät kommt!“ Das würde auch die vor allem in Ostdeutschland beliebte Redewendung dumm wie Brot erklären, der ein dem Kommissbrot des ersten Weltkrieges nachempfundenes Standard-Roggenmischbrot der DDR – Inbegriff vollendeten Stumpfsinns offenbar – als Inspirationsgrundlage gedient haben mag. Dass jedoch selbst die ARD glaubt, mit einem (2003 gedrehten) Polizeiruf 110 gleichen Titels zur besten Prime Time (Sonntag, 20:15, zehn Millionen Zuschauer), für solche Brotverachtung werben zu müssen, sagt viel über die Sprachsensibilität deutscher Kulturmacher aus, die es eigentlich besser wissen müssten als jene zahllosen Blogger, die man unter dummwiebrot.de aufrufen kann (lauter Teenies, die es „cool“ finden, „dumm wie Brot zu sein“: Zeit für eine Pisa-Studie zur Geschmackserziehung).

Nie käme hingegen hierzulande jemand auf den Gedanken, einen herzensguten Menschen wie im französischen bon comme le pain mit dem Brot zu vergleichen. Immerhin konnte sich im süddeutschen Raum ein Analogon zum französischen Bild für reißenden Absatz se vendre comme des petits pains einbürgern: weggehen wie warme Semmeln, wobei Schwaben diese bescheidene Aufwertung der Brötchen mehr als wettmachen durchs inflationär gebrauchte versemmeln für das Verpassen einer Chance oder Versäumen einer Gelegenheit (was ihnen wohl ziemlich häufig unterläuft). Die Brezel ihrerseits wird paradoxerweise durch ein Steigerungspräfix abgewertet: sich aufbrezeln. Dass ausgerechnet die wahrhaft bescheidene, unauffällige Erscheinung dieses seifigen „Gebildbrots“ zum Synonym für „sich auftakeln“, „herausputzen“ oder übertrieben schminken auserkoren wurde, sagt allerdings mehr über deutsche Ansprüche an weibliche Ästhetik aus als alle einschlägigen Frauenzeitschriften und Fernsehfilme. Vollends diskreditiert wird die Brezel in der bayrischen Wendung jemandem eine Brezn geben, womit keineswegs eine freundliche Schenkung gemeint ist, sondern im Gegenteil die Verabreichung einer Beleidigung oder einer Ohrfeige (oder Schlimmeres).

Ansonsten gilt: wer selbst einem geregelten Broterwerb nachgeht (oder eben im Schweiße seines Angesichts seine Brötchen verdient) hat volles Verständnis dafür, dass noch der entlegenste Handwerksbetrieb lediglich Fertigbackmischungen für den unvermeidlichen Auftakt des täglichen Stoffwechselzyklus anbietet, also buchstäblich kleine Brötchen backt und sich im übrigen von jeder brotlosen Kunst fernhält. Das würde in Italien schon idiomatisch auf Widerspruch stoßen: für „Gleiches mit Gleichem vergelten“ sagt man dort nämlich: render pan per focaccia, („Brot mit Fladen heimzahlen“) ein Ausdruck, der vom hohen sozialen Satisfaktionsindex des Brotes zeugt. Und wer eine nicht ganz gelungene Arbeit mit dem fehlenden Loch in der Mitte von Kringeln oder Kranzkuchen vergleicht – non tutte le ciambelle riescono col buco („nicht jeder Schuß ist ein Treffer“) – bekennt sich vor allem zum Perfektionismus auch beim Backen.

Im Gegensatz zum notwendigen Brot stellt der Kuchen – um bei den Backwaren zu bleiben – einen veritablen Luxus dar: wer in der Lage ist, sich den Kuchen zu teilen, hat bereits einen Gewinn erwirtschaftet; Erben streiten sich gern um eine Scheibe vom Kuchen (der Hinterlassenschaft). So weit so gut und auch im internationalen Vergleich vertretbar (nahezu identisch etwa vouloir sa part du gâteau im Französischen, wenngleich linksrheinisch mit c’est du gâteau - das ist kinderleicht, spielend zu schaffen – auch eine andere Welt fern deutscher Buttercrememassive und Kalorienklötze winkt). Doch schon Streuselkuchen für ein pickliges Gesicht fiele Italienern oder Franzosen nicht im Traum ein, abgesehen davon, dass sie derart einfältiges Gebäck niemals zustande bekämen; und erst recht Pustekuchen!: eine Sprachgebärde, die als Replik eingesetzt wird, um dem Gesprächspartner eine Abfuhr zu erteilen (im Sinne von „denkste!“ oder „nichts da!“) und sein Anliegen als null und nichtig zu disqualifizieren. Dass hierfür der Kuchen herhalten muss, offenbart dann doch wieder das asketische Ressentiment, das im protestantischen Kulturkreis immer schon Luxus und Überflüssiges gleichzusetzen (und alles Opulente gern mit verächtlichem Nasenrümpfen zu kommentieren) pflegt. Nicht viel besser ergeht es dem Keks, der es gerade noch zum Scherzkeks (für einen Witzbold) bringt, und dessen Besitz mundartlich eher ein eklatantes Defizit anzeigt: du hast ja n’ Keks diagnostiziert die vox populi, wenn einer „sie nicht mehr alle hat“ (gemeint sind Sinne und Verstand), und wer sich für dumm verkauft fühlt, protestiert nicht selten mit einem „ich lass mich nicht verkeksen“. Auch bei den Keksen fällt des Deutschen Vorliebe für Mürbeteig und Mürbegebäck auf: ob Kipferl oder Taler, Spritzgebäck oder jener schokoladenüberzogene Eischaum mit Waffelboden, der seit einiger Zeit nicht mehr Negerkuß, dafür aber ungeniert Schwedenbombe genannt werden darf (wo sich kein schlechtes Gewissen regt – sind doch die Schweden unter Gustav Adolf im dreißigjährigen Krieg über deutsche Gebiete hergefallen -, braucht offenbar nicht die Keule des politisch korrekten Artenschutzes geschwungen zu werden) -: sie alle haben marzipanig widerstandslos im Munde zu zergehen, als zählten nur Greise und Säuglinge zu ihren Endabnehmern. Dafür werden „Deutsche Doppelkekse“ - vulgo „Prinzenrolle“ genannt (und ebenso wie die „Deutschen Butterkekse“ bekanntlich von de Beukelaer 1870 aus Antwerpen eingeführt) - derart heißluftgetrocknet, dass sie bei ungeschicktem Öffnen der Verpackung mitsamt Füllung in pfefferkorngroße Krümel zerbröseln, die dann ebenfalls mühelos ohne Vorbehandlung die Speiseröhre passieren können. Verständlich, dass sich italienisches Gebäck wie Cantuccini, Torrone oder Panforte nicht wirklich durchgesetzt hat und die Amarettini natürlich nur in einer gaumenschonenden Mürbefassung. Der fromme Wunsch, es möge sich jemand an einem schwierigen Problem die Zähne ausbeißen, verrät ebenso wie die niederschmetternde Diagnose, jemand geht auf dem Zahnfleisch allzu deutlich das problematische Verhältnis dieser Sprachgemeinschaft zu ihren Kauwerkzeugen.

Verallgemeinert wird das beschriebene Konsistenzideal idiomatisch mit dem Prädikat erste Sahne für das Nonplusultra an Qualität. Sieht man davon ab, dass absahnen gern für einen mindestens sittenwidrigen Akt cleverer Aneignung eingesetzt wird, könnten wir mit der Sahne ausnahmsweise sogar ein Beispiel für aufwertenden Eigenschaftstransfer aus dem kulinarischen Kontext verbuchen; doch leider gehört zu dessen Voraussetzungen nicht nur die Hochschätzung des fetthaltigsten Anteil der Milch als Inbegriff von Süße und Reinheit, sondern auch die Freude am sahnigen Gleiten der Speisen, also wiederum an der Ausschaltung der Kauwerkzeuge beim Essen. Den herzhaften Biss reservieren sich Deutsche allenfalls fürs Fleisch, ansonsten mögen sie auch das Gemüse am liebsten verkocht und, wo es nur irgend geht, zusätzlich mit Sahne verschmiert.

Neben der Sahne erfreut sich nur noch die Butter einer vergleichbar positiven linguistischen Resonanz. So hält sich ungeachtet aller Warnungen vor ihrem Fettgehalt die Wendung jemandem die Butter vom Brot nehmen als Umschreibung einer existentiellen Bedrohung, während umgekehrt ein Problem oder eine Aufgabe erst zur vollen Zufriedenheit gelöst sind, wenn alles in Butter ist. Und obwohl ihre physische Substanz Anlass zu psychologischer Ambivalenz bietet – butterweich ist nicht nur das zarte Steak, sondern auch der rückgratlose Charakter, und was wie Butter an der Sonne zerrinnt trägt meist Züge eines unverhofften Verlusts -, ist sie bei Verhandlungen nach wie vor Inbegriff substantieller Vorschläge: Butter bei die Fische bringen fordert man an deutschen Küsten inkorrekt auf, wenn es darum gehen soll, ein ernstzunehmendes Angebot vorzulegen. Überhaupt scheint sich Butter als Medium für sozialen Konfliktstoff zu eignen: jemandem die Butter nicht aufs Brot gönnen ist Ausdruck von Neid und Missgunst, und als Überlegenheits-, ja Triumphausweis gilt, wenn man jemanden (mit Rücksicht auf den Binnenreim bildschief) unterbuttert. Wer die Butter zur Abwechslung einmal ein bisschen dick oder gar zu dick aufträgt, macht es andererseits auch niemandem recht und setzt sich dem Verdacht des Schmalzigen aus. So oder so: phraseologisch kriegt in Deutschland jedes Lebensmittel sein Fett ab, seine Strafe für... – ja wofür eigentlich?

„In jeden Quark begräbt er seine Nase“
Goethe, Faust I, Prolog im Himmel

Bei solch einem halbwegs gediegenen Leumund von Butter und Sahne erstaunt es dann doch, dass andere Milchprodukte die denkbar verächtlichsten Übertragungen erfahren. Allein die Belege für die Diffamierung des Käse würden reichen, die Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich zu erhellen. Alles Käse!, Das ist doch Käse! So ein Käse!“ (wahlweise Quark) sind als beliebte Idiome für Unsinn, Quatsch oder Mist bezeichnenderweise nur noch im angelsächsischen Raum anzutreffen (That’s Cheese!). Sprachforscher erklären die Geringschätzung des Käses historisch aus dem Umstand, dass dieser in ländlichen Gebieten immer leicht herzustellen und zu beschaffen war und so zum Synonym für Wertloses oder Geringfügiges – wie etwa das Käseblatt oder den Dreikäsehoch - werden konnte. Zum Assoziationsfeld des Käse gehört ferner eine breiige farb- und geschmacklose Masse von gummiger Konsistenz (hierfür muss die berüchtigte Harzer Rolle Pate gestanden haben), in der etwas zur Ununterscheidbarkeit verrührt oder geronnen erscheint, woraus offenbar nicht nur das Vorbild für kränkelndes Aussehen – käsiger Gesichtsausdruck –, sondern vor allem das tertium comparationis für sinnlose Aussagen gewonnen wurde. Entsprechend fordert man mit mach keinen Käse! zur Unterlassung eines Unfugs auf. Seltsam nur, dass bereits im Alpenraum die leichte Verfügbarkeit des Rohstoffs – der Milch – als Ansporn für höchst differenzierte Veredelungskünste betrachtet wurde. Konsequenterweise übernimmt in Österreich der Schmarren idiomatisch die Funktion von „Käse“ qua „dummes Zeug“, und in der Schweiz wird man schwerlich Leute finden, denen zu löchrigen Verkleidungen, durchlöcherten Leichen oder gar untertunnelten Alpen notorisch „Schweizer Käse“ einfällt.

Einmal mehr verrät die deutsche Sprache, dass die Angehörigen ihres Einzugsbereichs dazu neigen, Lebensmittel vorwiegend zur Deckung des Kalorienbedarfs herzustellen und sie in entsprechend genervter Haltung – als gelte es eine lästige Pflicht so automatisch wie unauffällig zu absolvieren - auch zu verzehren: „Hauptsache, es ist immer dasselbe“. Schließlich ist der Mensch zu Höherem als der Befriedigung von Grundbedürfnissen bestimmt: das ist spätestens seit Kants Abkanzelung von Geruch und Geschmack im berüchtigten § 19 seiner „Anthropologie“ (hierzu hat Michel Onfray alles Nötige gesagt) die Devise einer Esskultur, die mit solch einer Mentalität gar nicht anders kann, als uninspiriert minderwertige Produkte herzustellen und diese anschließend zu diffamieren. Nur so ist letztlich die Geschmacklosigkeit zu erklären, dass der Käse in den Komposita Käsequanten und Käsefüße auch noch als metaphorisches Substrat übler Gerüche herhalten muss (und das ausgerechnet im Land allgegenwärtiger Kohlausdünstungen). Zwar bemüht man in Frankreich alten Camembert, in Norditalien Parmesan oder Stracchino für den Gestank abgetragener Socken, aber die regional differierenden und stets nur bestimmte Sorten betreffenden Vergleiche sind nie fester Bestandteil einer nationalen Umgangssprache geworden. Nur im Deutschen wird der Käse als solcher und in toto olfaktorisch denunziert, gärt und schimmelt der Sprachdämon wie unter der Käseglocke der Gelegenheit entgegen, zum Nachteil sämtlicher Milchgerinnungsprodukte gelüftet zu werden, bis sie in Wendungen wie das geht dich einen Käse an! oder deutlicher noch das ist breitgetretener Quark mit dem Kehricht überhaupt gleichgesetzt werden.

Überboten werden diese Ekelkonnotationen einer schmackhaften Speise nur noch durch die analen Phantasien, die Kakao in der Wendung durch den Kakao ziehen (für veralbern, genauer: „verscheißern“) als Deckname für Kacke und Mostrich als Euphemismus für Scheiße missbrauchen. Dass der Mostrich im Land der Würstchenfresser so negativ besetzt ist, überrascht allerdings: jemanden mit Mostrich bestreichen heißt soviel wie übervorteilen; Mostrich auf der Pupille haben: nicht klar sehen; mit Mostrich geimpft sein: nicht bei Verstand sein. Der Verdacht liegt nahe, dass darin die Abneigung gegen jede Art von Würze zum Ausdruck kommt, wie sie auch in den Wendungen seinen Senf dazugeben oder seine Soße drüberkippen (für Pauschalurteile) begegnet. Wenn es stimmt, dass Sprachbilder die sinnliche Wahrnehmung unbewusst lenken, dann wird verständlich, warum jemand, der von früh auf lernt, dass Käse stinkt, dass es aufdringlich ist, seinen Senf dazuzugeben oder dass gesalzene bzw. gepfefferte Rechnungen (ungeachtet ihrer merkantilen Vorgeschichte) überhöht und eigentlich unzulässig sind, lebenslang kein entspanntes Verhältnis zu würzigen oder intensiven Geschmacksträgern entwickeln und im Zweifelsfall sich stets fürs fade – oder eben stinknormale - Mittelmaß entscheiden wird.

Hauptgang I

„Aber die deutsche Küche überhaupt – was hat sie nicht alles auf dem Gewissen!... die ausgekochten Fleische, die fett und mehlig gemachten Gemüse; die Entartung der Mehlspeise zum Briefbeschwerer!“
Friedrich Nietzsche

Suppe ist eine Suppe ist eine Suppe – möchte man frei nach Gertrude Stein anstimmen und alles weitere dem Geschmacksurteil des jeweiligen Probanden überlassen. Wenn das so einfach wäre! Denn leider ist eine Suppe in der deutschen Umgangssprache zunächst und vor allem ein selbstverschuldetes Ungemach, etwas, das man sich einbrockt (ursprünglich indem man zuviele Brotbrocken hineinbrach) und dann auch alleine auslöffeln muss, was insofern nicht weiter tragisch ist, als in Deutschland ohnehin jeder sein eigenes Süppchen kocht, tunlichst darauf bedacht, es mit niemandem zu teilen. Dazu braucht man oft nur das Süppchen am Kochen zu halten – nämlich lange genug, bis alle anderen restlos zerstritten sind (und ihnen folglich der Appetit vergangen ist). Man beachte, wie hier die Verkleinerung wie sonst nur bei dem – ebenfalls im Halbweltmilieu beheimateten – „Freundchen“ dem Substantiv etwas Zwielichtig-Bösartiges verleiht. Dass diesem Nahrungsmittel, wenn auch heimlich, sozusagen hinter vorgehaltener Hand, vorteilhafte Eigenschaften zugesprochen werden, lässt sich einzig aus der Negation erschließen, wenn einem etwa die „Suppe“ (ein bestimmtes Anliegen oder Vorhaben) versalzen (vereitelt) wird, was schon schlicht dadurch passieren kann, dass einem jemand in die Suppe spuckt. Der Spaß ist auch verdorben, wenn ein Pedant – oder ein Suppenkasper - das berühmte Haar in der Suppe findet. Man könnte die besondere Anfälligkeit von Suppen – realen wie metaphorischen – für Anschläge auf ihre Integrität allerdings auch als Schwäche deuten. Es rächt sich, dass die deutsche Sprache für das wahllose Mischen von Dingen, die nicht zusammengehören, die Wendung alles in einen Topf werfen“ bevorzugt (das italienische Gegenstück „fare d’ogni erba un fascio“ = „aus jedem Kraut einen Strauß flechten“ hält sich wohlweislich fern vom Herd). Dass die Suppe wie die Brühe hierzulande als Synonym für alles Trübe und Undurchsichtige dient – es gibt Nebelsuppen, Lehmsuppen, Schlammsuppen usf. -, kann allerdings auch daher kommen, dass Deutsche generell – und nicht nur Suppenschwaben - ihre Brühe am liebsten „gebunden“ essen – entweder indem sie kräftig Mehl unterrühren oder Kartoffeln darin zerdrücken. Darum sitzt in der Brühe (in der Sauce oder in der Tinte, die Franzosen sagen hier dans la purée), wer sich in eine derart missliche Situation gebracht hat, dass er den Durchblick verliert: klar wie Kloßbrühe lautet dann die Lagemeldung, und wenn die Neuigkeit an Unbefugte oder gar an die Gegenseite verpetzt wird, heißt es stereotyp, dass sie brühwarm berichtet wurde. Wer viele solcher Prüfungen heil überstanden und daraus zumindest gelernt hat, wie sie zu vermeiden sind, darf dann für abgebrüht, wahlweise für hartgesotten gelten. Dazu muss er sich allerdings zuvor tüchtig „verbrüht“ haben, was allerdings mit jeder Flüssigkeit passieren kann, wodurch abermals und gleich doppelt die Geringschätzung dieses offenbar hauptsächlich wegen seiner unangenehmen Wirkungen und seiner Austauschbarkeit geschätzten Lebensmittels bezeugt wird. Dieser Befund erstaunt umso mehr, als Suppen und Brühen durchaus zu den beliebtesten Speisen der Deutschen zählen, die auf keinem Mittagstisch fehlen dürfen. Wie wenig sich dieses gebrochene Verhältnis zu den Hauptnahrungsquellen von selbst versteht, lehrt ein Blick über die Alpen: in Italien lässt man zwar auch Missetäter vorzugsweise im eigenen Saft (oder Fett) schmoren ( lasciar cuocere nel proprio brodo), wenn auch nicht gerade im eigenen Fett ersticken, aber wenn jemand im siebten Himmel schwebt, dann „schwimmt er in Jujubensaft“ (andare in brodo di giuggiole), wobei „brodo“ wörtlich und etymologisch der „Brühe“ entspricht (und mit der deutsch-französischen Bredouille im übrigen nicht verwandt ist).

Wo die Suppe schon derart in Misskredit gerät, kann es dem Löffel nicht besser ergehen: ausgerechnet das Besteck, mit dem man „aus dem Vollen" schöpfen kann, das Werkzeug der Fülle und Opulenz, findet im Deutschen einzig negativen Niederschlag: vom Rotzlöffel, dem man gern eins hinter die Löffel gibt, wenn man nicht gerade die Weisheit mit Löffeln gefressen hat (was aber auch niemandem recht ist) bis zum ultimativen den Löffel abgeben, bevor man noch über den Löffel barbiert wird, reicht die Parade der Ressentiments. Wer dem Verdacht nachgeht, hier werde ein Emblem der Sinnlichkeit metaphorisch denunziert, findet sich in der Etymologie bestätigt, die man über mhd. laffen, leffen für „lecken“ und „schlürfen“ bis zur indoeuropäischen Wurzel *lab, *lap für „schnalzen“, „schlürfen“, „schmatzend lecken“ zurückverfolgen kann. Desgleichen landet auch die Sprachgeschichte der „Suppe“ mit althochdeutsch sûfan und mittelhochdeutsch sûfen bei ähnlich ungehobelten Anfängen. Dass die „eingebrockte“ Suppe, die man selber „auslöffeln“ muss, eher einem Schlamassel ähnelt, vervollständigt die mundartliche Verfemung der niederen Instinkte.

Da kann man nur hoffen, einen Sprung in der Schüssel zu haben, damit der unerquickliche Sprachgeist von selbst austriefen kann. Besser noch, man hat nicht alle Tassen im Schrank oder jedenfalls nicht genug, um derart schwer verdauliche Kost aufzutischen. Derlei Hoffnungen dürften sich allerdings auch weiterhin als grundlos erweisen. Denn dass nur zurechnungsfähig ist, wer sein Geschirr vollzählig hält, zeigt überdeutlich an: in deutschen Küchen herrscht Ordnung, mag am Herd auch alles in einen Topf geworfen werden, was nicht zusammengehört, was dann den unnachahmlichen deutschen Eintopf ergibt. Nicht zufällig ist die Einbauküche, mit der auf genormten 6,5 qm Margarete Schütte-Lihotzky 1926 in Frankfurt erstmals alle Handgriffe der modernen Hausfrau durchrationalisierte, eine deutsche Erfindung.

Konnte man bei der Suppe noch einigermaßen plausibel den Übertragungsweg der Redensart zurückverfolgen, so tappt man beim nächsten Gang, den Nudeln, ziemlich im Dunkeln. Das fängt schon mit dem Kurzschluss zwischen sprachlichem und biologischem Geschlecht an, wobei man wohl von Fall zu Fall jeweils entscheiden muss, ob der Vergleich dem Ding oder der Person zur Ehre gereicht. Ob als freche, dumme oder tolle, kesse oder versoffene, als Ulk- oder Betriebsnudel (dem weiblichen Pendant des „Scherzkeks“): stets bleibt die Betreffende Gegenstand des Spotts und das tertium comparationis zu der Teigspeise uneinsichtig: was ist an Nudeln eigentlich so weiblich und lustig? Was an Frauen so teigig? Vom Herstellungsvorgang her plausibel sind hingegen Ausdrücke wie abnudeln, wie genudelt (wie geschmiert) laufen oder wie durchgenudelt aussehen, wobei man wiederum vergeblich nach Beispielen für positive Vorstellungsgehalte sucht. Stattdessen erinnert das dazu passende Besteck prompt daran, dass jemanden oder etwas aufgabeln zumindest rückbezogen auf den Umgang mit Essen wiederum Achtlosigkeit, eine eher zufällige Wahl am unpassenden Ort suggeriert, Kraut und Rüben eben. Durchgängig verrät die deutsche Sprache eine gewisse Wurstigkeit gegenüber dem Essen und seinen Ressourcen, eine Haltung, die allen Glokalisierungstendenzen zum Trotz in dem Maße überdauern wird, in dem die zahllosen diffamierenden Ausdrücke von Kind auf eingeübt werden. Und wo den Leuten das Essen letztlich wurscht ist, weil lästige Nebensache, wird McDonald’s auch künftig leichtes Spiel haben, wird man auch weiterhin nach italienischer oder französischer Salami greifen müssen, weil man es der deutschen anmerkt, dass es ihren Produzenten egal ist, was sie darin wie verwursten, respektive einsacken.

Die Wurst eignet sich gut dafür, das Verhältnis zum Essen insgesamt zu veranschaulichen, weil sich ihre Bedeutung nicht in dieser einfachen Übertragung erschöpft. Sie funktioniert – aus Rücksicht auf Darstellbarkeit – auch als metonymische Verschiebung für das, „was hinten rauskommt“. Wo einem jedoch die Endprodukte der Verdauung buchstäblich „scheißegal“ sind, kann es mit dem oralen Input nicht viel besser bestellt sein. Nur so ist nachvollziehbar, dass wann immer die Situation es verbietet, bei Verärgerung das unvermeidlich sich aufdrängende Fäkalienwort zu Ende zu sprechen, die erste Silbe „Schei-„ zum Honig assoziiert wird und so das Oxymoron Scheibenhonig entsteht. Undenkbar für Italiener, im Begriff ihres beliebtesten Schimpfworts stronzo die eine Sphäre mit der anderen – also Eingang und Ausgang der Nahrung – sprachlich zu kontaminieren. Und so existentiell bedeutsam die Wendung es geht um die Wurst (in der Hausfrauenvariante: es geht ums Eingemachte) daherkommt, der Nachklang frühkindlicher Entleerungs-Dramen ist unüberhörbar. Zur Vervollständigung dieses im Wortsinne „entero-gastronomischen“ Charakters fügt sich noch die Extrawurst, die Neidvokabel schlechthin, die stets die Überschreitung des zulässigen Mittelmaßes, also dessen, „was einem zusteht“ (nämlich was alle anderen kriegen), anprangert. Und auch für die Unterschreitung der gebotenen Durchschnittlichkeit gesellschaftlichen Auftretens wird die Wurst in ihrer Fast-Food-Variante bemüht: das Würstchen ist weit weniger als ein armes Schwein, es ist eine ebenso lächerliche wie vielseitig abwertbare Figur, die gleichsam alle Minusattribute der verschiedenen weiblichen Nudelkonnotationen in sich vereint. Damit kann das italienische salame! für Tollpatsch nicht konkurrieren, das (schon aus Respekt vor der Salami) lediglich die Analogie zur Unbeholfenheit eingesackter und verschnürter Fleischmassen ausspielt und eher einem scherzhaften Rüffel als einer Beleidigung gleichkommt.

„Alles muss raus!“ Exkurs über Ausdruckszwang und kulturelle Bulimie

Während der ausgiebige Gebrauch des analen Lexikons in Deutschland recht gut untersucht ist – Alan Dundes benötigt 150 Seiten, um Variationsbreite und Anwendungsdichte deutscher Fäkalienwörter zu substantiieren –[1], sind die gängigen Übertragungen aus der Sphäre des anderen, des oralen Ausgangs bislang noch kaum angemessen gewürdigt worden.

Wenn die Häufigkeit einer phraseologischen Anwendung sich proportional zum Erfahrungsgehalt des von ihr evozierten Kontexts verhält, dann müssten Übelkeitsanfälle mit Brechreiz und Auswurf zu den dominierenden Phantasien, Ängsten, Vorlieben oder schlicht empirischen Mikroereignissen des deutschen Alltagslebens gehören. In keiner anderen bekannten Sprache ist das Kotzen idiomatisch und metaphorisch derart präsent wie im Deutschen. Das reicht vom banalen Kotzbrocken bis zu Unterschichtenspezialitäten wie Studentenkotze (vulgo „Fleischsalat“), entfaltet seinen Charme aber so recht erst in maximalexpressiven Verbalformen: jemanden oder etwas zum Kotzen finden, wie ausgekotzt daliegen (oder aussehen),sich auskotzen, etwas bis zum Erbrechen wiederholen (oder sich anhören), das große Kotzen kriegen, usw.. Du kotzt mich an darf getrost zur beliebtesten Eskalationsspitze in deutschen Beziehungsstreitigkeiten gekürt werden.

Lediglich im Spanischen trifft man noch mit es para vomitar (es ist zum Kotzen), esta vomitado (er sieht wie ausgekotzt aus) und vomitar insultos (Beleidigungen ausspucken) auf Übertragungen aus dem Reich eruptiven Widerwillens, die allerdings weder der Frequenz noch der libidinösen Ladung nach mit der germanischen Obsession konkurrieren können.

Zumal der deutsche Vomitiv sich auch unauffällig im flapsigen Umgangston einzuschleichen pflegt: mit Hängen und Würgen, mit Würgen und Brechen; wenn’s hoch kommt...; und sogar zum stolzen Selbstlob taugt, wenn jemand sich rühmen will, schon Unglaubliches erlebt zu haben: ich habe schon Pferde kotzen sehen. Selbst im Verlagswesen scheint man vom hohen Resonanzwert dieses Bildfeldes überzeugt zu sein, anders Titel wie Den Göttern kommt das große Kotzen (Charles Bukowsky, OT: „The Captain is out to lunch“) oderDas Leben ist zum Kotzen (Leo Malet, OT: „Le soleil n’est par pour nous“) nicht denkbar wären, auch nicht solche einheimischer Autoren wie Ich hab die Unschuld kotzen sehen oder gar Wenn Ohren kotzen – ein Handbuch für den strategischen Einsatz von Radio-Werbung. Und auch die ungleich finanzbewusstere Filmindustrie zögert nicht, auf die positive Resonanz des Ekelfaktors zu setzen und bietet mit dem Zeichentrickfilm Werner – gekotzt wird später eine kindergerechte Gewöhnungskampagne.

Die Geschichte der deutschen Ekellust ist allerdings mindestens so alt wie ihre sprachliche Fundamentierung: schon die Prägung eines eigenen Substantivs bezeugt die besondere Hochschätzung des Phänomens, das im Französischen oder Italienischen mit degoût, disgusto (englisch disgust) auf die Negation des damit als primär gesetzten, weil sensorisch und existentiell bedeutsameren Geschmacks (goût, gusto) reduziert wird. Dabei schwingt in gustus von Anbeginn (seit der römischen Antike) auch immer die Freude und Lust am Leben, der goût de vie mit, der seine Herkunft aus dem kulinarischen Hedonismus nicht verleugnet. Wertneutraler Geschmack, der im Deutschen dann bei Gelegenheit auch negativ aufgeladen werden kann (etwa „ekliger Geschmack“) wäre in den romanischen Ländern eine contradictio in adjecto. Welch exzeptionellen Rang die „starke Vitalempfindung“ (Kant) für eine spezifisch deutsche, das heißt von alimentären Genüssen gereinigte Ästhetik (insofern auch als Welt- und Lebenshaltung verstanden) besitzt, hat jüngst Winfried Menninghaus in seiner 500-seitigen „Theorie und Geschichte“ des Ekels unter Beweis gestellt, die für seine Haupterregungsquelle, also für Speisen und Getränke, gerade ein paar Bemerkungen in der Einleitung erübrigt, sich ansonsten mit dem literarisch ergiebigeren Sexualekel befasst. Menninghaus verpasst die mentalitätskritische Pointe – die kulturgeschichtlich einzigartige deutsche Ekelfaszination – zwangsläufig, weil er ihr selber erlegen ist - so wie Rosencrantz seinerzeit dem Hässlichen, auch das ein Wort ohnegleichen, in keiner anderen Sprache wird das Unschöne aus dem Hass abgeleitet, aber das ist, nein keine andere Geschichte, sondern die gleiche von der anderen Seite aus erzählt.

Dass eine an Heftigkeit und Widerwärtigkeit nicht zu überbietende körperliche Symptomatik, die obendrein von der Physiologie nur als pathologische Ausnahmereaktion vorgesehen ist, sprachlich derart habituell evoziert wird, lässt tief in Mentalität und Charakter der dazugehörigen Sprachgemeinschaft blicken. Gemäß der geläufigen Ätiologie, die besagt, dass vornehmlich Unverdautes bzw. (weil giftig, eklig oder sonst unbekömmlich) Unverdauliches – psychoanalytisch gesprochen: nicht Durchgearbeitetes – ausgekotzt wird, lässt sich der vomitiven Attitüde prima vista den Unwillen attestieren, sich mit der massenmedialen Übersättigung an Reizen und Informationen, die man gleichwohl zulässt, unfähig die Quellen der Berieselung auszuschalten, überhaupt auseinanderzusetzen. Wie eine verspätete Annahmeverweigerung soll der Infotainment-Trash zumindest verbal der Außenwelt retourniert werden. „Alles muss raus!“ lautet konsequenterweise das Programm eines „bissig respektlosen“ Politkabaretts, das die kulturelle Bulimie der Mediengesellschaft unfreiwillig auf den Punkt bringt. Der Imperativ der Indiskretion verspricht Erleichterung durch stellvertretenden Geständniszwang und verordnet therapeutisch: was man sich einverleibt, muss motu inverso so schnell wie möglich wieder hinausgeworfen werden. Fast food, fast output – die Wegwerfgesellschaft somatisiert in verbis als Kotzgesellschaft.

Und in effigie, am liebsten jeden Sonntagabend, 20:30. Zur besten Prime Time wird kurz nach Beginn des Tatorts erst einmal tüchtig gekotzt: entweder ein Novize bei der Polizei, ein Zeuge oder ein Angehöriger des Opfers – irgendjemand muss sich angesichts der aufgefundenen Leiche immer zwanghaft und rituell übergeben. Dass durchschnittlich acht Millionen Zuschauer die obszönen Konvulsionen klaglos goutieren, zeugt entweder vom hohen Repräsentationswert einer Kulthandlung oder von Ekelschwellen, die aufgrund einer Habitualisierung des Ausnahmezustands so hoch gerutscht sind, dass es schon niemandem mehr auffällt, wenn Mageninhalte virtuell vom Bildschirm ins Wohnzimmer geschleudert werden. Für die zweite Annahme spricht die Vergeblichkeit, mit der auf deutschen Theaterbühnen seit der Wende sukzessive die Stimulantia eskaliert wurden. Die Blut-, Kotz- und Fäkalienorgien, mit denen vor allem ostdeutsche Provinzartauds glauben, ihr saturiertes Publikum aufmischen zu müssen, haben es zwar mittlerweile zu einer eigenen Sondergattung – dem Ekeltheater - gebracht, doch ihre Angriffe auf vermeintliche Geschmackstabus erregen nach 100 Jahren Schockästhetik allenfalls noch die Aufmerksamkeit einiger Kritiker und des Bundesrechnungshofs. Der doppelte deutsche Sonderweg der ostentativen Darstellung unappetitlicher Entäußerungen und der notorischen Sprachentgleisungen legt indes den Verdacht nahe, dass hier psychohistorisch ältere Motive virulent sind, als die These vom Überdruss am massenmedialen Fallout mitsamt Katharsis zunächst glauben machen möchte.

In der „Stunde des großen Kotzens“ hat Bertolt Brecht sie zusammengebracht: „Denn mir gefällt nicht mehr / Diese Welt. / Vor allem aber blick ich fremd / Auf dies Geschöpf mit Namen Mensch, dem ich / Gleichen soll...“ (1924). Auf dem Deszendenten des Expressionismus – Gottfried Benn hatte bereits aufgehört, „auf mein Denkzentrum zu speien“ – fasst Brecht den ästhetischen Bankrott deutschen Entfremdungsleids zusammen: wo Melancholiker traditionell die schwarze Galle in entsprechend gestimmte Verse, Bilder und Klänge verwandeln, da lassen deutsche Ausdruckstitanen sie buchstäblich hochkommen, da kriegt die deutsche Seele „das große Kotzen“. Daran und an der Komplizenschaft von Hochkultur, Alltagssprache und gemeiner Lebenshaltung hat sich ungeachtet tiefgreifenden sozialen und politischen Strukturwandels nichts geändert: Ob Weltekel, Zorn oder Ressentiment – die Deutschen haben immer irgendwie die Schnauze voll, sobald ihnen etwas nicht passt. Genau genommen können sie „gar nicht so viel essen wie sie kotzen möchten“. Was Hans-Joachim Maaz präzise im Begriff des „Gefühlsstaus“ als Grundbefindlichkeit der DDR-Insassen diagnostizierte – „Die unausbleibliche Folge der permanenten Disziplinierung und Demagogie mit kleinlicher Intoleranz gegen jede Abweichung war die Verwandlung des äußeren Zwanges in innere Unterdrückung“ – lässt sich mutatis mutandis als fortwährendes Verhängnis des deutschen Expressionismus konstatieren: Ausdruckszwang aus chronischem Gefühlsstau infolge Erfahrungs- und/oder Mitteilungsarmut.

Diese Konstellation hat die Kruditäten Fassbinders und die outrierte Melodramatik Schroeters, die blutigen Inszenierungen Nitschs und die Selbstdarstellungsexzesse Horst Janssens, den Kinski-Kult Herzogs und die pubertären Rundumschläge der Enfants terribles von Brinkmann bis Biller gerechtfertigt; sie hat den Verbalextremismus ostdeutscher Apokalyptiker (Schütz, Müller, Papenfuß) und die Hasstiraden Bernhards und Jelinkes, die vitalistische Kraftmeierei der Falkner und Böhmer und den Theaterradau von Schleef bis Schlingensief, von Castorf bis Gosch möglich und, schlimmer noch, salonfähig gemacht. Eine regelrechte neoexpressionistische Ekelkultur ist so entstanden, deren Spektakelwert bis heute ihr unverkennbares Machoprofil erfolgreich zu travestieren vermochte, während für die gesellschaftspolitische Nobilitierung sekundierende Parallelaktionen sorgten. So Thomas Hauschilds „Kulturgeschichte des Kotzens“, die der Ästhetik der peristaltischen Revolte attestiert, durch „starken Aus-Druck, durch Zeigen unserer Übelkeit“ zu offenbaren „wie es um uns steht“.

Aus Beuys „Wunde“ ist also eine Magenverstimmung geworden, so schlecht steht es „um uns“. Und in der Tat mehren sich die Zeichen, dass die darstellenden Künste (und nicht nur sie) auf der Höhe des Performative Turns vor einem anthropologischen Dilemma kapituliert haben: nach Jahrhunderttausenden des kollektiven Überlebenskampfes fällt es Menschen schwer, die Abwesenheit des Ernstfalls (Krieg, Hunger, Epidemie, Kälte) positiv als Daseinsfreude oder gar -fülle zu erfahren und erst recht zu gestalten. Doch während der Einzelne früher oder später aufgerufen wird, sich den kleinen Dramen seiner privaten Existenz zu stellen, kommen den Kulturschaffenden nicht nur die großen Themen abhanden, sondern auch passende Darstellungsmittel für die kleinen, weil es am nötigen Leidensdruck, an künstlerisch verwertbarem Traumakapital fehlt. Angesichts des Horror vacui kann kreative Sensibilität im Bann der unheilvollen Tradition ihre Einfälle nur als simulierte Raserei ausagieren; was dem Hooligan die Prügelorgie („nur dann fühle ich mich lebendig“), ist der Volksbühne die Brüllorgie. Einmal mehr soll das nach Außen gestülpte Innere – der „Schrei“ des Expressionismus – die kollektive Psychohygiene befördern: ein erzdeutsches Bekenntnis zum Formlosen als dem Authentischen, zum unwillkürlichen Raptus als der „Wahrheit“ des nicht domestizierten Körpers. Nur dass es jetzt der saturierte, wunschlos abgestumpfte Charakter ist, der das Spontangenie zu seinen Paroxysmen animiert; dass der Wille zum Ausdruck die ausdrucksbedürftigen Impulse ersetzt, die es nicht mehr gibt. So verkommt Protestmacht zum narzisstischen Boulevard, verschafft sich die „Tyrannei der Intimität“ (Sennet) hemmungslosere Akzeptanz denn je zuvor. Man versteht, warum die Deutschen sich die kostspieligste Theater-(und TV-)landschaft der Welt leisten. Am Ende aber können sie gar nicht so viel kotzen, wie sie zu sehen und zu hören kriegen. Nihil est in lingua quod non fuerit in sensu.

Hauptgang II

Sauerkraut und Rüben,/ die haben mich vertrieben. / Hätt meine Mutter Fleisch gekocht, / wär ich bei ihr geblieben...

Der Kinderreim stammt aus einer Zeit, da Kraut und Rüben an der Tagesordnung, Fleisch hingegen etwas Besonderes, auch Kostspieliges, für viele Unerschwingliches gewesen sein muss. Vom idiomatischen Gedächtnis dürfen wir also - endlich - eine affirmative Resonanz erwarten. Wer darauf wettet, schneidet sich jedoch lediglich ins eigene Fleisch – eine weltweit bestaunte deutsche Sonderform der Autosuggestion. Die hohe Wertschätzung dieses Lebensmittels beginnt und endet nämlich bei Tisch. Ansonsten fängt man mit Speck allenfalls Mäuse, was den Kohl auch nicht fett macht; schließlich ist der Spickzettel kein Ruhmesblatt, ebenso wenig wie die Duden-Eintragung „reichlich versehen, ausstatten mit“ für spicken, das dann unausweichlich mit dem Fehlerüberschuss bei schriftlichen Erzeugnissen exemplifiziert werden muss, womit alles über das Verhältnis zu der zugrundeliegenden kulinarischen Praxis gesagt ist.

Nun ist spicken ohnehin passé, niemand fällt heute mehr vom Fleisch, das Problem sind eher zuviele Schinken (dicke Schenkel oder Bücher-“Schwarten“) und zuviele ungenießbare Ölgemälde - vulgo alte Schinken - in deutschen Wohnzimmern. Selbst der König jedes Festessens - der Braten - wird, wenn (vorzeitig) gerochen, mindestens zwiespältig und Gegenstand von Ausweichmanövern, wenn er nicht gleich als Teufelsbraten mit dem Bösen schlechthin identifiziert wird. Hier offenbart sich die gastroidiomatische Verfallslogik als Sonderfall spezifisch deutscher Missgunst, die nichts Außerordentliches gelten lassen mag, anders auch eine Wendung wie dem Braten nicht trauen nicht denkbar wäre. Das italienische stufarsi – eine Reflexivbildung von stufare = schmoren – spielt demgegenüber lediglich auf die lange Dauer des Vorgangs an und lässt sich am ehesten mit „es satt haben“ übersetzen. Der Ausdruck „sentire puzza di bruciato“ (nach Verbranntem riechen) wiederum, den der Langenscheidt nicht ganz zutreffend als idiomatisches Pendant zum „Braten riechen“ anführt, hält sich von jedem speziellen Gericht fern und überträgt lediglich den olfaktorischen Alarm in eine jeweils kontextabhängige Warnung.

Was nun das allseits beliebte Steak betrifft, so ermisst man erst am übertragenen Sinn von in die Pfanne hauen, wie es ihm unter deutschen Händen ergeht: Wieso wird, wenn man jemanden erledigen will, das Hantieren am Herd bemüht? Antwort: weil schon dort die ganze Kochkunst – ähnlich wie bei jemanden durch den Wolf drehen – sich weniger um die Veredelung als um die Vernichtung eines Objekts dreht. Dafür spricht auch der häufige Rückgriff auf misslungene Bratkunst, wann immer der unsachgemäße, verschwenderische Umgang mit Ressourcen – pekuniären wie semantischen – gegeißelt werden soll: Geld verbraten, Unsinn verbraten. Ein entferntes Äquivalent im Italienischen lautet sono fritto (wörtlich: „ich bin gebraten“) und meint soviel wie „ich bin geliefert“. Der Ausdruck kommt nur intransitivisch zur Anwendung und benennt ohne bildliche Umschweife präzise einen irreversiblen Endzustand. Auch die Hackfleisch- und Gulasch-Idiome bedienen den beachtlichen Bedarf nach Analogien fürs Kleinmachen, Verhackstückeln oder in Stücke reißen; doch speziell der Gulasch wird seit kurzem an einer neuen rhetorischen Front eingesetzt: ausgerechnet der „Verein Deutsche Sprache e.V.“, der sich der Pflege der deutschen Sprache und darob dem Kampf gegen Anglizismen verschrieben hat, prangert das von ihm bekämpfte „Denglisch“, das Gemansche aus Deutsch und Englisch, als Sprachgulasch an. Ein erstaunlich unbekümmerter Sprachgebrauch der Reinheitsverfechter angesichts der ungarischen Herkunft des Bildspenders; und ein makabrer dazu, bedenkt man die geläufigere Bezeichnung des inkriminierten Gemansches als „Bad Simple Englisch“, abgekürzt BSE.

Zum karnivoren Hauptgang werden in Deutschland gern Klöße gereicht, die allein schon wegen der großen Zahl regionaler Zubereitungsvarianten nun wahrlich einer idiomatischen Aufwertung würdig wären. Es gibt Kartoffel- und Semmel-, Mehl-, Grieß- und Wickelklöße, Fleisch- und Käse-, Quark- und Spinat-, Aprikosen- und Apfelklöße, böhmische, Danziger und Königsberger Klopse, doch die bilderselige Umgangssprache kennt nur den einen unangenehmen, den Kloß im Hals, und den anderen, unästhetischen, den Fettkloß.

Warum die deutsche Hauptbeilage nicht nur von Fleischgerichten - die Kartoffel - nur wenige Eintragungen im Sprüchekatalog verzeichnet und obendrein recht glimpflich wegkommt, gehört zu den Rätseln deutscher Küchenidiomatik, die wir später lösen werden. Immerhin lässt ein Opportunist schon mal seinen besten Freund wie eine heiße Kartoffel fallen, und jeder hat schon zu seinem Ärger beobachten können, wie der dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln findet, aber das sind vergleichsweise kleine Kartoffeln oder kleine Fische. Und weil Deutschland keine Nation von Fischern und Seefahrern ist, beschränkt sich der phraseologische Fischbestand auf den Hecht im Karpfenteich, der meistens ein aalglatter Geschäftsmann oder Rechtsverdreher, gelegentlich auch ein dünner Hering ist. Darüber hinaus wird jedem deutschen Schulkind schon früh eine unterschwellig angeekelte Berührungsangst vor den Meeresbewohnern eingeimpft: kalt wie ein Fisch klingt noch harmlos, obwohl es freddo come il marmo (kalt wie Marmor) auch getan hätte; doch dass jedesmal, wenn politisches oder wirtschaftliches Führungspersonal als korrupt oder unfähig hingestellt wird, der Fisch, der vom Kopf her stinkt, herhalten muss, ist dem (medizinisch immer wieder angemahnten) Verzehr dieses Proteinspenders alles andere als förderlich.

Das Ei wiederum ist nicht Fisch noch Fleisch, kriegt aber trotzdem sein Fett ab: seine Metamorphosen reichen von faulen über dicken bis hin zu dummen, ungelegten oder schlimmer noch Kuckuckseiern. Immerhin hat sich das Gelbe vom Ei als Premium-Attribut durchsetzen können, während die Sensibilität einer Person, die man wie ein rohes Ei behandeln muss, bereits zu ambivalenten Gefühlen Anlass gibt, selbst dann - oder er erst recht – wenn sie wie aus dem Ei gepellt daherkommt (man kann’s den anderen eben nie recht machen). Während es sich mittlerweile von selbst verbietet, den Bombenabwurf von Flugzeugen – wie noch bis zum Vietnamkrieg üblich – mit dem Euphemismus Eier legen zu verharmlosen, ist nach wie vor besonders in Machomilieus der Vergleich mit den Hoden beliebt, wogegen nichts zu sagen wäre, außer dass der Kontext immer ein aggressionsgeladener ist (du gehst mir auf die Eier, ich reiß dir gleich die Eier ab, usf.). Im Italienischen findet man eine einzige vergleichbare Wendung: rompere à qualcuno le uova nel paniere – jemandem einen Strich durch die Rechnung machen (wörtlich: „jemandem die Eier im Korb zerbrechen“), während die Testikel ästhetisch zutreffender durch palle (Kugeln) substituiert werden. Auf die Idee hingegen, man könnte, und sei es bildlich, auf Eiern gehen, können nur Tollpatsche oder Vandalen kommen. Und während der Großstädter verächtlich auf das Landei und der hormongesteuerte Muskelprotz auf das Weichei herabblicken, machen Adoleszenten einen feinen Unterschied zwischen herumeiern für um den heißen Brei reden und herumgurken für eine Fahrweise auf zwei bis vier Rädern, die sich nicht ganz an den Erfordernissen des Straßenverkehrs hält und darauf schließen lassen könnte, dass die Protagonisten Tomaten auf den Augen haben. Auch hier fehlt – sieht man von einer eingefleischten deutschen Aversion gegen Nachtschattengewächse ab - ein nachvollziehbares Übertragungsmotiv, ähnlich wie für die Sauregurkenzeit, die immerhin kalendarisch mit dem „Sommerloch“ zusammenfällt. Zum Vergleich bietet sich im Italienischen allenfalls der Fenchel – finocchio – an, über den Sprachforscher seit geraumer Zeit rätseln, wie er zum Synonym für „Tunte“ avancieren konnte (es gibt ein Dutzend Erklärungsversuche, einer so unbefriedigend wie der andere, zumal die beiden Hörner, die er zur Schau trägt, allenfalls dazu taugen, einem cornuto – einem gehörnten Ehemann - zugeschrieben zu werden). Für die Einbürgerung eines ähnlich anzüglichen Gemüsemissbrauchs im Deutschen, namentlich der treulosen Tomate, machen Sprachforscher ausgerechnet die Italiener verantwortlich, die nach dem ersten Weltkrieg sowohl mit ausgedehntem Tomatenanbau als auch mit Verrat an der Kriegsfront identifiziert wurden. Die Gurke hingegen hat es erst in jüngster Zeit dank der EU-Verordnung zur Festlegung ihres zulässigen Krümmungsgrads zu grenzüberschreitenden Ehren gebracht, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Ausdruck Gurkenverordnung für absurde Verwaltungsmaßnahmen allgemein durchsetzen wird. Auch angesichts solcher bürokratischen Exzesse dürften nicht wenige die französische und holländische Absage an die vergurkte EU-Verfassung mit einem da haben wir den Salat kommentiert haben, wobei wir dann noch je nach Speichermedium die Wahl zwischen Buchstabensalat, Bandsalat und Kabelsalat haben.

Wenn wir jetzt nach mediterraner Sitte vor dem Dessert nach dem Obst greifen, so wird uns auch das vom Volksmund prompt vermiest: wir beißen natürlich in den sauren Apfel, als gäbe es im Leben nicht auch Anlässe, sich (mit Obst oder in dessen Namen) auf eine angenehme Aufgabe einzulassen; und wenn der Apfel gravitationsbedingt nicht weit vom Stamm fällt, so könnten Eltern oder Lehrer sich geschmeichelt fühlen, doch meistens zeigt diese so neutral daher kommende Wendung leider nur die Übernahme von Unarten oder Untugenden durch die jeweils jüngere Generation an. Wie man ansonsten den Apfel also auch dreht und wendet: immer ist da irgendwie der Wurm drin, idiomatisch allemal, wenn man sich vergegenwärtigt, dass auch diese Paradiesfrucht nicht der Fäkalisierungswut des Deutschen entgeht: dass man für verscheißern vornehm veräppeln zu sagen pflegt, kommt von den unsäglichen Pferdeäpfeln, eine Geschmacklosigkeit, die – man muss dazu wahrlich kein Korinthenkacker sein - ähnlich wie Kuhfladen jedem Südländer einen Brechreiz verursachen würde.

Weiter: Wer nix in der Birne hat, sozusagen eine taube Nuss ist, kriegt schon mal eins auf die Nuss (wahlweise auf die Rübe) oder wiederum auf die arme Birne: dann hat man entweder vor Kopfschmerzen eine dicke Birne oder gleich eine weiche Birne, weil man vor lauter Draufschlagen blöde geworden ist. Auch dieser Affront gegen die süße Kernobstfrucht par excellence trotz Fontane („ein Birnbaum in seinem Garten stand“) ein Casus belli zwischen Deutschland und Frankreich („Unterm Birnbaum“ wiederum findet sich die Leiche eines französischen Soldaten). Leute, mit denen man nicht gut Kirschen essen kann, sollte man besser nicht veräppeln und schon gar nicht anpflaumen. Besser, man schmiert ihnen Honig um den Bart. Manchmal hilft das auch nicht weiter, dann spricht man – ebenso wie bei schwierigen Problemen - von einer harten Nuss, die erst noch geknackt sein will. Mit anderen Worten: phraseologisch hängen die Trauben stets zu hoch oder zumindest höher, als für eine lustvolle Beziehung zum Obst allgemein gut ist. Das bedeutet nicht, dass Deutsche nicht gern Obst essen würden, sondern lediglich, dass sie es fertig bringen, das, was sie gerne essen, zugleich insgeheim zu verachten, so wie man gern Rosinen mag und es doch verwerflich findet, wenn sich jemand die Rosinen aus dem Kuchen pickt. Oder wie man zur alimentären Ikone des Wirtschaftswunders, der Banane (und nicht ohne rassistischen Unterton) lediglich die Bananenrepublik verbindet. Oder wie „man“ gern mit einer Frau schläft und doch nichts dabei findet, ein missliebiges männliches Gegenüber, das nicht die erwünschte maskuline Härte an den Tag legt, als Pflaume zu verhöhnen, mit einem Ausdruck also, der eindeutig und abwertend auf das weibliche Genital verweist. In solchen Fällen dienen idiomatische Floskeln offenbar dazu, die Verdrängungsroutinen einzurichten und aufrechtzuerhalten, die notwendig sind, den Subjekten das Ambivalente ihres Verhaltens gar nicht erst bewusst werden zu lassen.

Wem am Ende unseres phraseologischen Menüs noch nach einem würdigen Dessert zumute ist, der könnte schon über die unscheinbare Bezeichnung Nachspeise ins Grübeln kommen, die ein letztes Mal überdeutlich den protestantischen Ungeist serviert, der „Speisen“ auf die fürs schiere Überleben unumgänglichen Rationen reduzieren möchte und alles Süße in ein „Danach“, ein veritables Jenseits verbannt, das nicht mehr zur Speisenfolge sensu stricto gehört (und ursprünglich wohl als Belohnung für braven sonntäglichen Kirchgang gedacht war). Wenn man sich in diesem Ungeist dennoch einen Nachtisch genehmigt, dann kommt nur eine Kaltschale in Frage: ein Wort wie aus einem Labor für Festkörperphysik; Kantinendeutsch, das einem fürwahr das Wasser im Mund gefrieren lässt. Kann ein Dessert gleichgültiger, bürokratischer benannt, pardon „erfasst“ werden? Und ausgerechnet Götterspeise soll dieses Konstrukt dann enthalten, die dreisteste Übertreibung der Wort-und-Kochgeschichte, wenn man sich das gelatinierte Zuckerwasser mit Farbstoff und Spurenelementen von Fruchtsaftkonzentrat samt seiner wabbligen Konsistenz und vollendeten Geschmacksneutralität vergegenwärtigt. Da greifen wir doch lieber nach einer Zabaione, am besten mit Marsala – doch halt: ist die uns nicht längst durch die Schaumschlägerei verleidet?

Trakt II: Verdauungsfreuden

Ein Gramm Theorie ist manchmal besser als zwei Pfund Empirie
frei nach und gegen John Dewey

Soviel schwere Kost – wahrlich kein Zuckerschlecken – ruft nach dieser transzendentalidiomatischen Durststrecke zwangsläufig entlastende Verdauungsargumente auf den Plan: etwa dass hier eine Ansammlung vereinzelter Beispiele ohne systematische Aussagekraft geboten würde; dass beim Gebrauch dieser Redewendungen kaum noch jemand an ihre wörtliche Bedeutung, den dazugehörigen Referenten oder gar die historische Genesis denkt; und dass man sich bei entsprechender Nachforschung auch einen ganz anderen Gang durch die gastrosophische Metaphorik vorstellen könnte. Nun, was Letzteres betrifft, so fordere ich jeden heraus, den Beweis anzutreten; für die Widerlegung des ersten Arguments, nennen wir es den Kontingenzverdacht – so eine solche nach den bisherigen Zumutungen wirklich vonnöten ist -, seien in der gebotenen Kürze eines Essays zwei Beobachtungen angeführt.

Erstens: nicht diese oder jene vereinzelte Speise ist im Deutschen Gegenstand idiomatisch fragwürdiger Transpositionen, sondern fast alle gängigen Lebensmittel, viele Gerichte und darüber hinaus Grundlagen und Modalitäten des Essens (und eo ipso des Kochens) sowie seine begrifflichen Variationen selbst. Bekommt man etwas aufgetischt (oder aufs Brot geschmiert, brühwarm serviert), sind es stets Unannehmlichkeiten; wird man abgespeist, so stets mit einem Hungerlohn oder anderen würdelosen Gaben. Der abschätzige Unterton von „Gaben“ sollte dabei nicht davon ablenken, dass diese etymologisch immer schon vergiftet sind: nur im Deutschen wird der Sammelbegriff für gesundheitsschädliche oder gar todbringende Stoffe, die vorzugsweise oral als Getränk oder Nahrung aufgenommen werden, von „geben“ abgeleitet: Gift.

Hat jemand etwas verbrochen, so sagt man scherzhaft zwar, aber doch bezeichnend, er habe etwas ausgefressen - oder vornehmer angerichtet -; mit Reue und Wiedergutmachungsversuchen ist dann aber „die Sache noch lange nicht gegessen“, was die Mahlzeit zu einem veritablen Schadensvorgang dämonisiert. Oder zuvor schon die Speise auf dem Herd zu einem Skandal, wenn nämlich „die Sache erst richtig hochkocht“. Sie lediglich am Köcheln zu halten ist allerdings auch keine Tugend, sondern hinterhältiges Taktieren, und wenn das Thema dann doch endlich gegessen ist, dann signalisiert das Ende der Mahlzeit unverkennbar die Erleichterung über eine erledigte Aufgabe oder eine überstandene Mühsal – also das Gegenteil eines sinnlich genussvollen Intermezzo.

Wem hingegen rechtzeitig die Lust abhanden kommt, eine Sache weiterzumachen oder überhaupt erst anzufangen, wird sich einmir ist der Appetit vergangen nicht verkneifen. Kein größerer Gegensatz wäre denkbar als das elegante Credo des französischen Hedonismusl’appetit vient en mangeant, der den deutschen Genius – hier in Gestalt Heinrich von Kleists – zu der bezeichnenden Transformation inspirierte: l’idée vient en parlant. Man könnte auch übersetzen: deutsche Kultur findet am Schreibtisch statt, nicht am Eßtisch. Induktionsbedingte Überraschungen lässt der deutsche Geist zwar zu, aber nur solange sie nicht das Leibeswohl betreffen. Hier verdient der Appetit lediglich als Vorbote heftigerer Begierden Beachtung, und zwar eine, die es am besten im Keim zu ersticken gilt, denn stets lauert die Gefahr, dass manden Mund voll nimmt, was leider nicht Ausdruck gieriger Lebenslust, sondern prahlender Selbstüberschätzung ist. Auch wer den Rachen nicht voll kriegt, gilt in Deutschland keineswegs als sympathischer Scheunendrescher, sondern als Wucherer oder gieriger Geldhai. Wer sich dennoch den Appetit nicht verderben lässt und sich auf eine schwierige Aufgabe – oder zumindest eine, deren Risiken nicht zu überschauen sind - einlässt, wird seinem Misstrauen, ja seinem Mißfallen mit einem das schmeckt mir nicht oder die Sache schmeckt mir nicht Ausdruck verschaffen (auch hier fehlt selbstredend das positivierende Analogon); und sollte am Ende doch nur ein Scheitern zu konstatieren sein, womöglich eines, für das man nicht einmal selbst verantwortlich ist – es ging einfach alles „schief“ -, wird man den abschließenden Stand der Dinge mit einem ich bin bedient oder zumindest für heute bin ich bedient quittieren. Für jene, die es immer schon besser wussten, sind derlei Kalamitäten dann ein gefundenes Fressen, womit nicht nur die Kritiker sich als Geier (mhd. die Gierigen) zu erkennen geben, sondern wiederum der Charakter eines Geschenks pervertiert wird, weil als solches nur goutiert, wenn es hilft, den Urheber der Gabe genüsslich durch den Wolf zu drehn. „Die deutsche Mannschaft wird hier regelrecht abgekocht“, resümierte ein Sportkommentator die blamable 4:1 Niederlage im letzten Fußballländerspiel vor der WM gegen Italien. Als Vorstufe dazu empfiehlt sich der Ausdruck jemanden weichkochen (oder zermürben), vorausgesetzt man sitzt nicht gerade selber auf dem Präsentierteller, wie auch sonst die Gauner- und Inquisitorensprache nur so gespickt ist mit Metaphern aus der Gastronomie (hartgesotten, abgebrüht usw., hatten wir schon).

Dass der Tellerrand zum Synonym für den beschränkten Horizont desjenigen, der nicht darüber hinaus zu blicken vermag, avancieren konnte, lässt nur den Schluss zu, dass die Konzentration auf den Tellerinhalt selbst als provinziell und jedenfalls als verächtlich einzustufen ist. Wenn es in der Küche qualmt, herrscht natürlich nicht Hochbetrieb am Herd, sondern Streit im Haus, wie man überhaupt nur in Teufels Küche kommt, niemals in jener Gottes, und Küchenlatein keineswegs für gelehrte Fachterminologie steht, sondern für das Gesülze von Ungebildeten. Während hierzulande viele Köche (ungeachtet wohlgemeinter Fernsehshows) nach wie vor den Brei verderben, würdigen Italiener umgekehrt die Kunst des Kochens indirekt, indem sie cucinare in tutte le salse (wörtlich: mit allen Saucen kochen) für „in allen Farben schildern“ verwenden. Den traurigen Tiefpunkt deutscher Esskultur-Analogien dürfte allerdings der zweckentfremdete Tischgruß bilden, mit dem eine angerichtete Bescherung, also ein Schlamassel abgesegnet wird (und die eigene Ratlosigkeit dazu): Na, dann prost Mahlzeit! Kann man angesichts solcher Befunde noch Sprachhistorikern Glauben schenken, die uns versichern, dass Mahlzeit vom althochdeutschen mal – für Augenblick – sich herleitet, das sich irgendwann als Zeitpunkt des Essens einbürgerte? Und warum dann der Pleonasmus? Um der Notwendigkeit einer geregelten Essenseinnahme doppelten Nachdruck zu verleihen? Um wieviel plausibler und der deutschen Eßpraxis angemessener wäre die Ableitung aus mahlen, zerkleinern, zermalmen...

“Hier ist was faul“. Exkurs über olfaktorische Ethik

Nach alledem versteht es sich beinahe von selbst, dass die deutsche Idiomatik
auch bei der Abwertung der „niederen“ Nahsinne Geruch und Geschmack sich nicht lumpen lässt. Sobald wir die keimfreie Domäne des „Beurteilungsvermögens ohne alles Interesse“ (Kant) verlassen, wird Geschmack zur Geschmackssache, zur willkürlichen Empfindung und beliebigen Aussage ohne verbindlichen Maßstab. Vorgeschmack ist (natürlich nur im Deutschen) nichts, was Appetit auf mehr macht, sondern der Beginn einer – zumindest angedrohten – Eskalation von Ärgernissen, auf die man sich gefasst machen soll; Nachgeschmack wiederum kennt das deutsche Gedächtnis vornehmlich als fade, unangenehme oder bittere Erinnerungsspur, die entsprechende Situationen, Handlungen oder Verhaltensweisen hinterlassen. Noch schlimmer steht es um den Beigeschmack, schwäbisch Gschmäckle, in der Regel von Korruption, Klüngelei oder Vetternwirtschaft in der Politik. Solch moralisch verkommene Usancen kann man noch milde anrüchig finden, wenn sie wenigstens den Schein wahren, doch bei stilloser Dreistigkeit muss man sie rundweg als widerlich, also abgeschmackt bezeichnen. Dann ist viel Überzeugungsarbeit nötig, um z. B. den Wählern noch irgendeine Reform schmackhaft zu machen. Und wie dem Allgemeinbegriff so ergeht es auch seinen konkreten Prädikationen: die elementaren Geschmacksempfindungen werden für alle nur denkbaren misslichen Stimmungen und Lebenslagen ausgebeutet: bitterernst, bitterböse, bitterkalt, bitterarm; sauer sein, sauer aufstoßen, „gib ihm Saures!“; gesalzen, „Salz in die Wunden streuen“, „nicht das Salz zur Suppe haben“ etc.; lediglich die Süße erfreut sich meist angenehmer Kontexte, wenn man es mit ihr nicht übertreibt und ins Süßliche oder gar ins Süßholzgeraspel abgleitet.

Bei stinksauer wird immerhin der organoleptische Kurzschluss von Geruch und Geschmack vollzogen, anders wäre die Steigerung zu sauer nicht plausibel zu machen. Nun ist die Diffamierung des animalischen Geruchssinns als Detektor einzig von Ekel- und Genussquellen, zur Erkenntnis untauglich, keine deutsche Spezialität, eher eine anthropologische Konstante im Körperbild hochkulturell sozialisierter Individuen, die sich über die Angewohnheit von Vierbeinern, ihre Nase überall hineinzustecken, evolutionär erhaben dünken. Während sich jedoch der Hinweis immer der Nase nach in romanischen Sprachen auf alle möglichen Emissionsquellen beziehen lässt, führt solch eine Orientierungsangabe im deutschen Sprachraum stets zur Kloake. Und in der Wendung die Nase gestrichen voll haben begegnet wiederum die unappetitliche deutsche Vorliebe für Analkonnotationen. In gehobeneren Kreisen fürchtet man hingegen am ehesten die Gerüchteküche, die trotz falscher etymologischer Abstammung dafür sorgt, dass man in dem Geruch steht, etwas verbrochen zu haben – oder, wie in Goethes „Geruch der Heiligkeit“, nicht ganz echt zu sein.

Interessanter bleibt indes die Frage, warum es etwa die Feststellung „hier duftet’s“ niemals zu vergleichbaren idiomatischen Ehren bringen wird wie hier stinkt’s. Oder warum der deutsche Sprachgenius nie dem Anrüchigem etwas Anduftendes entgegensetzen wird. Warum darf die Nase nicht auch als Entdecker oder Überbringer guter Botschaften – kulinarischer Versprechen etwa oder aphrodisierender Düfte – metaphorisiert werden? Das ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass es ohne Geruch keinen Geschmack gibt, und dass Gerüche nicht nur die Stimmung und das subjektive Wohlbefinden, sondern den physiologischen Gesamtzustand des Organismus (durch Stärkung oder Schwächung des Immunsystems) nachhaltig stimulieren oder beeinträchtigen können - Zusammenhänge, die zwar erst seit kurzem streng wissenschaftlich belegt, aber doch seit der antiken Heilkunde vertraut sind.

Eine Merkwürdigkeit der deutschen Idiomatik ist es nun, aus dem Verb stinken ein Präfix für allerlei adjektivische Komposita zum Zwecke der Steigerung einer gegebenen Grundform zu gewinnen: stinkfaul, stinkreich, Stinklaune, Stinkwut, etc.. Sogar das erklärungsbedürftige stinknormal hat sich so geschmeidig in die durchschnittliche Gestimmtheit deutscher Mentalität eingefügt, dass es jedem ganz selbstverständlich über die Lippen geht. Lediglich bei Hannah Arendt taucht das Attribut polemisch geschärft auf: "Stinknormal" fand sie den Eichmann, was für sie so viel wie „banal“ hieß. Doch was genau stinkt an der Normalität? Ihr uneingestanden Repressives: dass sie das Ergebnis sozialer und innerer Kontrolle ist und diese durch Verschiebung von Leidensdruck und Ursachenerkennung (Sündenböcke) willig reproduziert. Genauer also das Verdrängte, „unterm Teppich Gekehrte“ normierten Verhaltens. Das schlecht Entsorgte, das vor sich hin modert und keimt. Normalitätsgestank als Index von Stagnation, Unbeweglichkeit, Reformstau: der normal-anale Charakter, der zurückhält, solange es geht und freiwillig weder abgibt noch loslässt - sowas fängt irgendwann an, von innen zu stinken. Nach außen hin ist es nur stinklangweilig, aber wenn es erst einmal zum Himmel stinkt, dann... dann kann niemand mehr sagen, er hätte von nichts gewusst .

...und wenn irgendeine Schöne etwas allzu säuerlich aussah, so hatte sie entweder Sauerkraut gegessen, oder sie konnte Klopstock im Original lesen.
Heinrich Heine in Paris

Die zweite Beobachtung zur Widerlegung des Kontingenzverdachts, sie wurde schon verschiedentlich vermerkt, betrifft die Sonderstellung der deutschen Phraseologie. Ein Blick über die Sprachgrenze offenbart für Frankreich und Italien einen eklatanten Mangel an Redewendungen, die auf Speisen und Küchenpraktiken zurückgehen und überdies kaum solche pejorativen Inhalts. Das einschlägige Wörterbuch für „moderne deutsche Idiomatik“ erfaßt auf ganze zwanzig Seiten rund 200 Beispiele aus der Abteilung „Nahrung und Gerichte“, in vergleichbaren italienischen und französischen Lexika findet man kaum ein Zehntel davon. Im Italienischen genießt bezeichnenderweise einzig der Kohl - „cavolo“ - einen derart schlechten Ruf, dass er sich gleich für ein ganzes Bündel von Schimpfwörtern qualifizieren konnte: vom schlichten Ausruf cavolo! (Mist! Scheiße!) über che cavolo è questo? (was soll der Quatsch?) und non me n’importa un cavolo (das ist mir wurscht) bis hin zu non ce ne capisco un cavolo (ich verstehe nur Bahnhof), der berühmten testa da cavolo (Dummkopf) und dem Vergleich ci sta come i cavoli a merenda (das passt wie die Faust aufs Auge, wörtlich „wie Kohl zur Vesper“). Schon beim zweiten und letzten Kandidaten, dem schillernden pasticcio – Pastete oder Auflauf -, liegen die Dinge etwas vertrackter. Nicht nur taucht die angeblich übertragene Bedeutung von jenachdem Ungeschick, Pfusch oder Patsche historisch als erste auf (bei Aretino 1525, zehn Jahre vor der ersten überlieferten Kulinarie gleichen Namens); im Laufe der Jahrhunderte setzte sich vor allem in der Literaturkritik die Bedeutung von „konfuser oder unordentlicher Rede oder Schrift“ (Zanichelli) durch. Möglicherweise schwang von Anfang an, vermittelt durch die Ableitung auspasta (ursprünglich griechisch einfach ein Gemisch aus Wasser und Mehl), ein Beiklang des Mischens, Verrührens und Durcheinanderbringens (eben impastare), der den beliebten Wendungen cacciarsi in un pasticcio (in einen Schlamassel geraten), essere nei pasticci (in der Patsche sitzen) und erst recht dem pasticcione (den so rechtsförmige Ausdrücke wie Schwindler oder Pfuscher nicht adäquat wiedergeben) einen gewissen Unernst verleiht: die Gemengelage ist undurchsichtig und klebrig, aber gerade deshalb nicht hoffnungslos. Eine „Flickoper“ (so der musikologische Fachausdruck) ist eben keine Tragödie. Die Franzosen hingegen bleiben ihrer traditionellen Hochschätzung der Pastete auch hier treu, zeichnen mit une bonne pâte sogar besonders gutmütige Naturen aus. Der norditalienische Usus, alternativ zur Pasta besonders im Winter Polenta zu essen, hat ihnen bei süditalienischen „Gastarbeitern“ den Spitznamen polentoni (Polentafresser) eingetragen, eine ohnmächtige Retourkutsche auf das abfällige terroni (Erdfresser), mit dem vorzüglich Lombarden ihre ungeliebten Dauergäste traktieren.

Auf der anderen Seite verzweifeln Übersetzer immer wieder an der Fülle von Primärausdrücken für Aromen, Gerüche, Geschmacksnuancen, Zubereitungen, Ingredienzien etc., für die es im Deutschen kein Äquivalent gibt. Die Schlussfolgerung scheint legitim, dass die Elaboriertheit einer Eß- und Geschmackskultur und die Bedeutung, die diese im Leben der Menschen einnimmt, sich umgekehrt proportional zur umgangssprachlichen Übertragung ihrer Charakteristika verhält. Für diese These lassen sich leicht weitere Belege anführen. So fehlt im Italienischen wie im Französischen die implizite Gleichsetzung von Lebensmitteln mit wertlosen, nichtigen Dingen, welcher die deutsche Umgangssprache zahllose Redewendungen und Routineformeln verdankt. Etliche wurden schon genannt, vom Brot über Quark und Käse bis hin zur Suppe; es trifft aber auch Eier, Äpfel, Brot und Bohnen ( für ‚n Appel und ‚n Ei, für ein Ei und ein Butterbrot (ver)kaufen; nicht die Bohne verstehen) und sogar den mittlerweile kulinarisch geschätzten Pfifferling, der immer noch bemüht wird, um die Nullstufe jedweder Preisvorstellung zu illustrieren ( keinen Pfifferling wert sein). In Frankreich hat man zwar dem Rettich diese Rolle zugedacht (cela ne vaut pas un radis), hält sich aber in der Regel an den Pfennig (cela ne vaut pas un sou). Aus dem Süden Italiens ist non valere un fico bekannt, wohl aus einer Zeit, da man Feigen überall am Straßenrand pflücken konnte; von Rom ab nordwärts ist allerdings die weitaus passendere Analogie zur Zigarettenkippe - non valere una cicca – gebräuchlich. Dass den Deutschen das Essen nicht viel wert ist – oder zumindest weniger als für eine sinnlich erfüllte und gesunde Lebensführung gut ist -, wird im übrigen von den sich häufenden Lebensmittelskandalen bestätigt, die strenggenommen Geiz-ist-Geil-Skandale heißen müssten, weil der treibende Motor für die europaweit einmalige Verbindung von Discounter-Dichte, Dumping-Konkurrenz und betrügerischen Machenschaften die Weigerung der Deutschen ist, mehr als unbedingt nötig fürs Essen auszugeben. Wenn Deutsche sparen müssen, schlimmer noch, wenn es ihnen ein tiefes Bedürfnis, ja eine Lust ist, zu sparen, dann zuallererst am Essen: nach wie vor geben sie im Durchschnitt gerade mal 12% ihres Einkommens dafür aus, halb so viel wie Italiener oder Franzosen (und für 62% ist beim Einkauf der Preis wichtiger als die Qualität!). Das wird niemanden verwundern, der sich die – etymologisch unzulässige, aber praktisch und historisch bewährte – Überlagerung von Verpflegung und pekuniärem Aufwand für selbige im Begriff der Kost vergegenwärtigt: hier wird das Essen schon terminologisch den lästigen Ausgaben, nicht dem Gewinn, etwa dem Lustgewinn zugeschlagen. Wer aber stets auf die Ausgaben achtet, kann folgerichtig keine andere Einstellung als die eines Kostverächters entwickeln, der letztlich nur durch Spareffekte auf seine Kosten kommt. Für Sprachpuristen gibt es aber noch eine andere Ableitung: die gemeinsame Herkunft von Speise und Spesen aus lat. expendere (ausgeben, bezahlen), die unmissverständlich wieder die Ernährungsfrage auf eine Geldfrage reduziert. Im Italienischen kennt man eine derartige Kontamination von spesa (Ausgabe) und mangiare (Essen) ebenso wenig wie den sehr deutschen Vergeblichkeitsseufzer außer Spesen nichts gewesen, der jeden Aufwand für vergängliche Güter, also in erster Linie für Essen und Trinken, als sinnlose Verschwendung abtut.

Vergleicht man die Tischsitten in den drei Ländern, so fällt auf, dass in Italien und Frankreich das Essen während der Mahlzeit auch bevorzugtes Thema der Unterhaltung ist, was der geselligen Tafel nicht selten den Charakter eines Forums mehr oder weniger eitler Expertenmeinungen verleiht und die Nahrungsaufnahme unmerklich in einen auch geistigen Akt verwandelt. Die Inszenierung wertet das Essen auf, wodurch etwaige Übertragungsgelüste offenbar gar nicht erst aufkommen. Schon Kinder erleben auf diese Weise den Zusammenhang von Redens- und Essensgenuss, verleiben sich Worte wie Kulinaria und Bissen wie Bedeutungsträger ein. Solch eine Tischgesellschaft nimmt auf diese Weise tagtäglich an einer durchaus heidnischen und anthropologisch älteren Kommunion von Wort und Fleisch teil, als es die christlich-platonische Inkarnationslehre mit ihren hilflos-zwanghaften Tischgebeten zu etablieren versucht hat. Die These von der umgekehrten Proportionalität lässt sich dahingehend variieren: Je mehr in einer Sprachgemeinschaft offen und unmittelbar übers Essen geredet wird, desto höher scheint sein Stellenwert, desto untauglicher der Gegenstand für Übertragungen und Projektionen.

An deutschen Tischen hingegen wird beim Essen nicht nur wenig geredet, sondern auch selten übers Essen: damit bleibt diese wesentliche Grundlage unserer psychophysischen Existenz an den Katzentisch einer schieren Banalität verbannt, einer biologischen Pflicht, der man sich „irgendwie und sowieso“ zu entledigen hat. Entsprechend wird mit geschmäcklerisch abgestraft, wer höhere Ansprüche an Gerichte stellt, als Supermarktregale befriedigen können, während das Attribut kulinarisch ein hedonistisches Verhältnis zu Kulturgütern insgesamt als oberflächlich denunzieren soll. Ähnlich wie kosmetisch, das ebenfalls ethische und ästhetische Kriterien vermengt, um einer Oberflächenkultur des Scheins zu attestieren, sie verstelle, ja verfälsche den Zugang zur Tiefenkultur „innerer Werte“, zum „Eigentlichen“, zum Kern einer Persönlichkeit oder eines Werks. Die Langzeitfolgen dieses – schon von Nietzsche gegeißelten - psychohistorischen Dispositivs sind massenhaft nachlässig bis schlampig gekleidete Menschen; massenhaft soziopathische Ruppigkeit der Umgangsformen, die ihr mangelndes Gespür für Takt und Stil obendrein von Sprichwörtern wie harte Schale weicher Kern geadelt weiß (der nach zwanzigjährigem Japan-Aufenthalt heimgekehrte Florian Coulmas brauchte ein ganzes Buch, um sein Entsetzen hierüber zu verarbeiten [2]); und nicht zuletzt massenhaft geschürtes Misstrauen zwischen den Geschlechtern, wenn sich deutsche Frauen in Ermangelung eines positiven Selbstbildes ihrer äußeren Erscheinung hinter dem essentialistischen Argument verschanzen, um das Spiel der Verführung zu unterlaufen und Männer so lange hinzuhalten, bis sie sich sicher wähnen, „wirklich“ (nämlich als das körperlose Seelenwesen, das sie „Ich“ nennen) gemeint zu sein.

In solch einem mentalitätsgeschichtlichen Kontext kann das Essen keine privilegierte Aufmerksamkeit beanspruchen. Wie allem Sinnlichen wird ihm qualitativ wie quantitativ ein Mangel unterstellt: letztlich „bloß körperliche“ Bedürfnisse zu befriedigen und obendrein von flüchtigem Bestand zu sein, da seine Dinghaftigkeit mit dem Verzehr verschwindet, um nach einem metabolischen Zyklus alsbald in einer mehr oder weniger vertrauten und abermals transitorischen Gestalt wieder aufzutauchen. Weder dem Essen selbst noch seiner Erinnerungsspur wird irgendeine Art von Dauer zugesprochen, nicht zufällig hält das Deutsche für die elementare Kultur- und Überlebenstechnik samt ihrer Produkte als Allgemeinbegriff lediglich die Nominalisierung eines Zeitworts parat. Das dazugehörige Bewusstsein gesteht eben nur langlebigen, am besten anorganischen Materialien Substantialität zu, dem nicht ganz koscheren Junktim von beschränkter Haltbarkeit und erfülltem Augenblick wird trotz gegenläufiger Trends des Zeitgeists nach wie vor misstraut.

Insofern lässt sich der Vorgang der idiomatischen Metaphorisierung gegenstandsgebundener Begriffe und Handlungen am Beispiel des Essens und insbesondere im Kulturvergleich als einer der Abstraktion verstehen: Abstraktion von der Materialität, der Dinghaftigkeit, der sinnlichen Präsenz nicht nur von Gegenständen, sondern aller an ihrer Bearbeitung beteiligten Personen und Handlungsabläufe einschließlich der betroffenen Körperfunktionen. Eine Abstraktion, die ihrerseits eine schwache libidinöse Verankerung der damit zusammenhängenden Erfahrungen und insofern eine geringe lebensgeschichtliche Relevanz zur Voraussetzung hat. Auch dies, mit anderen Worten, ein Kapitel in der unendlichen Geschichte spezifisch deutscher Entfremdungen.

Ich weiß, die Deutschen haben es satt, ständig an dieses Thema erinnert zu werden, aber so sind sie nun mal eben: selbst als Gesättigte unzufrieden, vom sattsam Bekannten genervt (das Englische wird hier noch deutlicher: to be fed up with it). Vielleicht kommt das daher, dass selbst die Völlerei, die sich einen Nachschlag „genehmigt“, im Zeichen der Autoaggression steht? Welches andere Volk bietet für den Akt des Schlemmens das Bild eines Kampfes gegen den Unterleib - sich den Bauch vollschlagen – auf? Es müsste doch nachdenklich stimmen, dass sich hierzulande niemand freut, wenn ein neues Fass aufgemacht (und eine leidige Auseinandersetzung weiter in die Länge gezogen) wird. Was soll man daraus für den Input (Inhalt und Vorgang) schließen? Wie lange hat man in Deutschland trüben, gepanschten, unechten Wein angeboten, bis ex negativo eine Wendung wie jemandem reinen Wein einschenken sich etablieren konnte? Wie oft musste man den alten Kohl wieder aufwärmen, bis die Handlung exemplarischen und somit bildlich stellvertretenden Charakter annehmen konnte? Überhaupt scheint die deutsche Sprachgemeinschaft auf Kriegsfuß mit allen Frischprodukten zu stehen, sonst würden ihre Mitglieder sich nicht so lustvoll kalten Kaffee oder warmes Bier gleichsam als „Schnee von gestern“ gegenseitig vorhalten, wofür es wiederum keine Pendants im Italienischen oder Französischen gibt. Dabei dürfte kalter Kaffee (caffè freddo für jeden Italiener im Hochsommer ein Genuss!) wie viele der pejorativen Nahrungsmetaphern zum Syndrom „deutsche Depressivität“ gehören, das bekanntlich großen Verschleiß an negativen Stimmungsbildern und herabsetzenden Sprachgebärden verzeichnet. Hauptsache Schwarzmalerei, Schadenfreude, der schale Triumph eines Vergeblichkeitsstatement. Man vergegenwärtige sich nur, was vom kulturellen Mehrwert des Essens, dem Genuss sprachlich übrig geblieben ist: als genießbar lässt man – bereits mit nölendem Oberton – etwas durchgehen, das man gerade noch erträgt; umgekehrt gilt als genüsslich eine Geste, die allzu aufdringlich, ostentativ (und überflüssigerweise) die Lust am eigenen Tun bekundet. Irgendein Ausdruck für die Selbstverständlichkeit, die Evidenz des Genießens? Fehlanzeige! Wäre die deutsche Esskultur demnach (zumindest idiomatisch) Opfer dieses Jammer- und Nörgelbedürfnis oder ist sie nicht vielmehr – zusammen mit anderen Genussvermeidungs- und Genussverhinderungsstrategien – maßgebliches Agens ihres Inkubationsmilieus? Vielleicht ist das gar keine Alternative.

Lutz Röhrich, dem wir den kundigsten Führer durch Entstehungsgeschichte, Bestand und aktuellen Gebrauch deutscher Redewendungen verdanken, ist es immerhin auch aufgefallen, „dass Redensarten häufig in negativen Konnotationen vorkommen: Kommentar, Kritik, Karikatur dienen vorzugsweise einer negativen Charakteristik“. Und wenn er diesen Umstand der „Natur der phraseologischen Ausdrucksweise“ zuschreibt, möchte man ihm gern zustimmen und hinzufügen, dass viel Kritisches sich leichter (und kürzer und prägnanter) indirekt, durch die Blume oder das Vexierglas einer Metapher sagen lässt, dass Redewendungen sowohl die Schwelle der kritischen Äußerung herabsetzen als auch die Akzeptanz der Aussage bei den Adressaten oder Gesprächspartnern erhöhen. Doch fehlt es an einer vergleichbaren Vielfalt linguistischer Miesmacher in anderen Sprachen: im Motzen, Nörgeln, Jammern, Lästern und ‚Runtermachen scheinen die Deutschen unangefochtene Weltmeister zu sein. Könnte man also die gastronomische Idiomatik hierzulande als Sonderfall einer pathogenen Semantik deutscher Redensarten und Umgangsformen generell betrachten? Diese würden demnach seismographisch registrieren, wie der deutsche Nationalcharakter seine Identität vorzüglich durch das definiert, was seine Inhaber nicht mögen, was sie abwehren, verdrängen, wegbeißen, von sich fern oder unter dem Deckel halten, als wäre jede sinnliche Verführung eine Zumutung an die Konsistenzforderungen ihres Selbst. Damit schließt sich auch dieser Circulus vitiosus: Wo es einer Zumutung gleichkommt, sich mit der gastronomischen Reproduktion des Lebens zu befassen, können materialiter eben nur Bestätigungen des Zumutungscharakters allen Essens gepfuscht werden.

Die Deutschen trinken sozusagen jedes Gewächs mit dem gleichen Vergnügen.
Ihnen kommt es mehr darauf an, es durch die Gurgel zu jagen, als es zu schmecken.

Montaigne, Über die Trunksucht

Für ein Idiom gilt, was Gerhard Kurz für die Metapher allgemein geltend macht: „sie stimuliert und organisiert unsere perzeptuelle Aufmerksamkeit; sie appelliert an unser Wissen und lebensgeschichtliche Erfahrung und mobilisiert affektive Einstellungen“. Für diese implizite Bedeutungsfülle auf engstem Raum, für diese Macht der Metapher, Vorstellungen, Vorurteile, Affekte und Reminiszenzen aller Art evozieren zu können, bietet Kurz auch das Konzept der „verdichteten Geschichte“ oder der „Projektion von Geschichte“ an. Metaphorisierte Redewendungen - so darf man ergänzen – stabilisieren darüber hinaus Vorurteile und Ressentiments: selbst nichts weiter als Sprachklischees, dienen sie der Perpetuierung mentaler Klischees. Strenggenommen funktionieren die meisten Essensmetaphern im Deutschen wie Schimpfwörter nach dem Muster von Spaghetti für Italiener, Chopsuey für Asiaten oder Knoblauchfresser für alle Südländer und Orientalen. Mit Blick auf den früher bei Amerikanern beliebten Spottnamen Krauts für Deutsche bemerkt Hermann Bausinger: „Gemeinsam ist solchen Bezeichnungen von außen, dass Nahrungsmittel gewählt werden, die in der eigenen Kost keine oder eine nur untergeordnete Rolle spielen, die aber in der so etikettierten Bevölkerung sehr verbreitet sind. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass eher simple Grundnahrungsmittel für die Bezeichnungen herhalten müssen.“ Was ergibt sich aber aus dieser Argumentationslogik, wenn weit verbreitete „eigene“, sprich „deutsche“ Speisen für abfällige Kennzeichnungen herhalten müssen? Beschimpft wird in letzter Konsequenz immer die ungeliebte Trias von Lebensmitteln-Kochen-Essen selbst.

Es ist die gleiche Selbstzerfleischung, die traditionell schon aus Nationaltrotz auf jegliches Raffinement bei der Speisezubereitung verzichtete. Nochmals Bausinger: „Das Bekenntnis zum einfachen Mahl blieb lange Zeit antifranzösisch und stand im Zeichen nationalen Selbstbewusstseins. Im Nationalsozialismus wurde das einfache Essen zum Kult erhoben... Im Jahr 1933 wurde der ‚Eintopf’ zum Symbol der Volksgemeinschaft; die von oben dekretierten Eintopfsonntage sollten alle Volksgenossen vereinen.“ Bausinger irrt allerdings, wenn er die Vorliebe fürs Einfache, Derbe und Deftige für überwunden hält. Nach wie vor beherrschen Eintöpfe und andere schwer definierbare Amalgame die Abspeisungspraxis deutscher Mensen und Kantinen, man lese hierzu Klaus Stillers nur vordergründig satirische Phänomenologie des Eintopfs.

Mit der Abneigung gegen alles Raffinierte oder wenigstens Elaborierte geht eine weitere Eigentümlichkeit deutschen Konsumverhaltens einher: der naive Hegelianismus, der von einer hinreichend großen Quantität auf die Qualität des Verabreichten schließen will. Davon kann jeder ein Leid klagen, der sich in einem „typisch deutschen“ Gasthaus, besonders auf dem Lande, verirrte oder bei einem der zahllosen „Italiener“, die aus Beflissenheit deutschen Kunden gegenüber mit Portionen aufwarten, auf die man transalpin mit jener Mischung aus Staunen und Abscheu zu reagieren pflegt, die schon Tacitus in seinen Beschreibungen germanischer Trinkgelage nicht unterdrücken konnte. Der Triumph von Quantität über Qualität oder von Maßlosigkeit über homöostatischen Genuss ist andererseits eine Grundbedingung deutscher Geselligkeit, die ohnehin als halbe Portion jeden auszuschließen trachtet, der mit den „ganzen Kerlen“ nicht mithält. Der Alkoholrausch muss an gemeinschaftlicher Verbindung stiften, was vom Essen nicht erwartet werden kann, da es weder eine Kultur der Kennerschaft noch eine der entsprechend raffinierten Speisezubereitung gibt. An der anderswo unbekannten Sitte, auf alles Erdenkliche anzustoßen, was mit Essen und Trinken nichts gemein hat, erkennt man wiederum die Geringschätzung des Essens und die Instrumentalisierung des Alkohols, während der unübersetzbare Ausdruck bierernst etwas von der deutschen Unart verrät, über den Durst zu trinken. Denn Bier macht nur kurzfristig beschwingt und fröhlich, sehr schnell schließen sich, wenn man weitertrinkt, die Rezeptoren und man fällt in einen dumpfen, humorlosen Zustand, der jederzeit in Aggression umschlagen kann. Diese Schwelle ist bei Bierzechern in der Regel auch eher erreicht als bei Weintrinkern, weil man den Gerstensaft gern außerhalb der Mahlzeiten trinkt und der Hopfen vernebelnd aufs Gemüt schlägt. Spätestens dann ist der Reim von Saft auf Kraft vergessen, ist fürs gesellige Beisammensein Hopfen und Malz verloren, wird es Zeit, den Saftladen zu verlassen (bevor einem der Saft abgedreht wird).

Die Frage, wie man sich die Entstehung übertragener Bedeutungen vorzustellen hat, lässt sich nur in Ausnahmefällen so leicht anhand des Anschauungspotentials klären wie etwa beim französischen bouchon (Korken) und embouteillage für Verkehrsstau. In der Regel ist man auf mühsame Rekonstruktionen angewiesen, wobei positivistische Sprachgeschichte hier eher Teil des Problems ist. Vergegenwärtigt man sich etwa die umwegige Entstehung der Sauregurkenzeit aus dem Rotwelsch (Christoph Gutknecht hat alle einschlägigen Wortgeschichten gesammelt) und den Umstand, dass die Etymologie niemandem mehr bekannt sein dürfte, so wird einem das Motiv, geschäftliche und politische Flaute ausgerechnet mit einer Gemüseernte zu illustrieren, erst recht fragwürdig. Entwirft man umgekehrt performative Urszenen – was nicht immer gelingt -, so führen bald nur Spekulationen weiter. Welche Evidenz musste etwa eine Körpergebärde – sagen wir die Abfolge von Fleischzerhauen, Klopfen und in die Pfanne Werfen – erreichen, bis sich der Ausdruck in die Pfanne hauen als Sprachgebärde in ihrer wörtlichen Bedeutung etablieren konnte? Und was musste mit der Sprachgebärde passieren, welche Abschwächungen oder umgekehrt Aufladungen musste sie erfahren, um in einen fremden Kontext – jemanden in die Pfanne hauen - übertragen zu werden? Oder ist der andere Kontext am Ende gar kein fremder, sondern die adäquate Projektionsfläche für die Aggressionsphantasien seines Erfinders? Dafür würde auch die affektiv ähnlich gelagerte Wendung jemanden durch den Wolf drehen sprechen. Dann hätte sich gerade wegen der maßlosen (kannibalistischen ) Übertreibung der Analogie von vornherein eine halb scherzhafte Verwendung empfohlen?

Das sind Fragen nach Genesis und Funktionslogik idiomatischer Konventionen, deren Tragweite erst ihre Verallgemeinerung erahnen lässt: Wie wirkt sich die Realisierung der übertragenen Bedeutung in einer aktuellen Situation auf die Wahrnehmung des ursprünglichen Kontexts, dem sie entstammt, zurück? Gibt es Idiome, bei denen die wörtliche Bedeutung oder wenigstens ihre Herkunft vergessen werden mussten, um als Metaphern wiederaufzuleben? Oder schmort eine Assoziationsspur heimlich immer mit? Würde jemandem, der keine nachhaltigen Enttäuschungen mit deutschem Brot erlebt hat, notorisch die Metapher des Altbackenem zu allem Veralteten, Überholten einfallen? Wir wissen nicht viel über das Zusammenspiel von sprachlichem und psychischem Unbewusstem, von lexikalischer und libidinöser Gedächtnismarkierung, aber die im Rahmen dieses Essays angeführten Beispiele nähren die Skepsis, ob man sich der schon früh eingeübten Klischees einfach durch eine um deren Konditionierungen unbekümmerte gastronomische Praxis befreien kann; oder ob sich jene nicht - mehr oder weniger unbewusst – immer wieder gegen alle Neuerungen der Lebensformen und des Zeitgeists durchsetzen.

Zweifellos ändern sich Eßgewohnheiten schneller als der Wortschatz einer Sprache; umso erklärungsbedürftiger bleibt die bei jedem neuen Lebensmittelskandal periodisch beklagte Resistenz bestimmter Ernährungsweisen und geizdiktierter Einkaufspraktiken der Deutschen; neue Produkte und Kochstile allein entschärfen offenbar nicht automatisch mit der Muttermilch eingetrichterte Einstellungen (wie nicht zuletzt die angeführte Statistik beweist), zumal wenn diese durch eine tendenziöse Phraseologie unablässig bekräftig werden. Man weiß mittlerweile, dass schon Kleinkinder in der Lage sind, figurative Sprachverwendung zu verstehen, wobei sie mit den Bildern, Vergleichen und Sprichwörtern, mit Analogien und Metaphern das ganze System normativer oder normbildender Gemeinplätze und Vorurteile verinnerlichen, das sie hinfort als Repertoire „habitualisierter Deutungs- und Einstellungsmuster“ (Kurz) gedankenlos exekutieren. Und wie immer bei Vorurteilen geht es nicht darum, ob sie nicht bei der wiederholten Konfrontation mit einer sie widerlegenden Erfahrung sich auflösen würden – gegen gutes Essen ist auf Dauer keine Gesinnung gefeit -, sondern ob sie ihren stolzen Inhabern überhaupt die Chance einer solchen Konfrontation lassen: gegen affektive Abwehr ist noch kein Kraut gewachsen. Und so ist es mehr als unwahrscheinlich, dass ein im Geiste von Alles Käse! aufgewachsener Mensch jemals bis zur Käsetheke von La Fayette vordringen wird. Und solange die (deutsch-)deutsche Sprachgemeinschaft in argloser Selbstverständlichkeit tagaus tagein (und nicht selten lustvoll) Metaphern des Ekels und der Rohheit, der Aggression, Verhöhnung und Geringschätzung gebraucht, die der gastronomischen Praxis entlehnt sind, solange werden Mittelmeerurlaub und Fernsehshows, Volkshochschulkurse und der Italiener „um die Ecke“ (der richtige) nichts an ihrer grundsätzlich defizitären Einstellung zum Essen ändern.

Abgang 1 (Horizontalprobe)

Redensarten, Redewendungen, Idiome, Routineformeln, Floskeln, Abtönungspartikeln – sie alle bilden das, was die Linguistik den idiosynkratischen Bestand einer Sprache nennt. Gemeint sind Begriffe und Ausdrucksformen, die abweichend von ihrer eigentlichen Bedeutung verwendet werden und deren Funktionsweise sich somit einer Bestimmung nach allgemeinen Regeln entzieht. Idiosynkratisch sind sie darum auch im präzisen Sinn einer Überempfindlichkeit, gar einer Resistenz gegen die Übersetzung in eine andere Sprache. Das ist ein untrügliches Indiz dafür, dass sie – gerade aufgrund ihrer grammatischen Anomalie (und natürlich ihrer lexikalischen Eigentümlichkeit) - am engsten mit Mentalität und Lebensform ihrer Benutzer liiert sind (eine Liaison, die zumindest Muttersprachlern den analytischen Zugang zu erschweren scheint, anders die auffällige Forschungsabstinenz auf diesem Gebiet nicht zu erklären wäre). Und dass es daher legitim ist, ihnen – wie hier geschehen – nicht nur symptomatischen, sondern auch regulativen Charakter zuzuschreiben, regulativ im Sinne der anzunehmenden Rückkopplungseffekte von der habituellen Verwendung übertragener Bedeutungen auf die implizite Bewertung ihres Entstehungsmilieus. So gesehen eröffnet die Idiomatik einen veritablen Königsweg zur Darstellung (und Kritik) einer Mentalität oder eines Nationalcharakters. Ganz im Sinne von Wittgenstein, der „Sprachspiele“ als Einheiten von Sprach-, Handlungs- und Lebensformen definiert und daraus gefolgert hatte: „Eine Sprache vorstellen heisst, sich eine Lebensform vorstellen.“ Quod erat demonstrandum.

Abgang 2 (Vertikalprobe)

Der Ernährungsprozeß ist nur diese Verwandlung der unorganischen Natur in eine Leiblichkeit, die dem Subjekte angehört... Der Prozeß mit dem Wasser ist das Verlangen nach dem Neutralen: einerseits gegen die abstrakte Hitze in sich selbst, andererseits gegen den bestimmten Geschmack, den man wegbringen will; deswegen trinkt man.“
(G.W.F. Hegel, Enzyklopädie, § 363, 362)

Der Magen knurrt jetzt wieder und ungeachtet dieses – wie sollte es anders sein - wenig schmeichelhaften Vergleichs unseres Zentralkraftwerks mit einem bissigen Köter kommt der Verfasser zum Ende, das heisst zum Anfang zurück. Bereits ein Vierteljahrhundert bevor Feuerbach seine Paracelsus-Lektüre in dem berühmten Spruch zusammenfasste, hatte Brillat-Savarin dekretiert: „Dit-moi ce que tu manges, je te dirai ce que tu es“, was meistens falsch übersetzt wird: „Sage mir, was du isst und ich sage dir, wer du bist“, wo es heißen muss, „was du bist“. Während man dem Franzosen getrost unterstellen darf, dass er aus Gründen sprachlicher Ökonomie alle Modalitäten der Zubereitung und Verkostung im „ce que“ mitgedacht hat, liegt es hingegen nahe, dem Feuerbachschen „Was“ einen kruden Substantialismus zu bescheinigen. Einen gewissen Fortschritt bildet er lediglich gegenüber den einschlägigen Paragraphen in Hegels (1817 erschienener) Enzyklöpädie der philosophischen Wissenschaften, wo der Meisterdenker den „Ernährungsprozeß“ als rein animalische „Assimilation“ abhandelt, in deren Verlauf so etwas wie „Geschmack“ lediglich als „wegzubringender“ Störfaktor auftaucht. Ansonsten darf das Diktum zumindest im deutschsprachigen Kulturkreis auch weiterhin eine gewisse Geltung beanspruchen, insofern es in nuce die für dessen Bewohner typische Missachtung aller Form- und Stilfragen der Alltagskultur formuliert. Nach wie vor herrscht hier das Was über das Wie; darum, und weil deutsch sprechende Menschen das Essen ständig idiomatisch im Mund führen, um ganz andere Dinge zu bezeichnen (die ohne die sinnenfällige Essensmetaphorik im übrigen recht blass blieben), steht zu befürchten, dass sie während des Essens selbst nie so ganz bei der Sache sind. Das gastrosophische Axiom muss also dahingehend ergänzt werden: Der Mensch ist nur insofern, was er isst, als er isst, was er spricht.


Literatur

  • Lutz Röhrich (Hrsg.): Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg 1999.
  • Wolf Friederich, Moderne Deutsche Idiomatik. Systematisches Wörterbuch. München 1966.
  • Zanichelli, Dizionario etimologico della lingua italiana.
  • Christoph Gutknecht: Pustekuchen! Lauter kulinarische Wortgeschichten. München 2002.
  • Ulrich Fichtner, Tellergericht. München 2004.
  • Hermann Bausinger, Typisch Deutsch! München 2000, S.42f.
  • Klaus Stiller, Vom Volke der Deutschen. Zürich 2000, S.192.
  • Wilfried Menninghaus, Ekel. Theorie und Geschichte einer starken Empfindung. Frankfurt 1999.
  • Thomas Hauschild, „Beiträge zur Kulturgeschichte des Kotzens“. In: Endstation. Sehnsucht. Kapitalismus und Depression I, hrsg. von Carl Hegemann, Berlin 2002.
  • Michel Onfray, Der Bauch des Philosophen. Frankfurt 1991. Der sinnliche Philosoph. Frankfurt 1992.
  • Gerhard Kurz/Theodor Pelster: Metapher. Theorie und Unterrichtsmodell. Düsseldorf 1976, S.75, 90.
  • Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden.



[1] Alan Dundes, Sie mich auch! Das Hinter-Gründige der deutschen Psyche. Basel 1985. Es konnte nicht ausbleiben, dass der amerikanische Anthropologe in seiner erschöpfenden Studie über die deutsche Fäkaliensprache auch auf die zahlreichen, seit dem 17. Jahrhundert bezeugten „analen Assoziationen zu Würsten“ und anderen Lebensmitteln zu sprechen kommt (S. 93ff.). Man kann sich mit ihm und zumal aus der Perspektive anderer Kulturen betrachtet, tatsächlich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Deutschen mehr und lieber an das Endprodukt der Verdauung als an ihr Ausgangsmaterial denken. So blieb es einem deutschen Künstler (Dieter Roth) vorbehalten, Ausscheidungen zum operativen und symbolischen Zentrum seiner Entgrenzungen des Ästhetischen zu nobilitieren; und nur einem deutschen Regisseur (Jürgen Gosch) konnte einfallen, die Schauspieler seiner Macbeth-Inszenierung sich kiloweise mit Tiramisù als Symbol für Exkremente einschmieren zu lassen.

[2] Florian Coulmas, Die Deutschen schreien. Reinbek 2001. Coulmas war es auch, der schon früh – durch rückwirkende Verfremdungseffekte des Japanischen sensibilisiert? - auf die unterschätzte Bedeutung des Idiomatischen insistiert hat: Routineformeln im Gespräch, Wiesbaden 1981; Idiomatizität: „Zur Universalität des Idiosynkratischen“, in Linguistische Berichte 72/1981.

Feature Deutschlandradio Berlin 2006