Daniele Dell'Agli


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umtausch ausgeschlossen

wenn es den konjunktiv nicht gäbe,
wäre alles wie immer: die erste liebe  
ein drama, die blutgruppe unbekannt, 
gerechtigkeit selten.

das problem mit dem konjunktiv: man weiß nie 
ob er hält, was er verspricht: kühlaggregat, 
abstandssensor, schwingungsfilter, was 
hat man ihm nicht schon angedichtet. 

dabei kann man im konjunktiv nicht mal
durchschlafen, geschweige denn zimmer 
verdunkeln. und wozu auch? ohne ihn 
geht eh alles schneller. das erwachsenwerden, 

die beziehungsflucht, der katzenjammer. 
dafür muß man im konjunktiv alles 
alleine machen. schwimmen lernen, 
bilanzen fälschen, geburtstag vergessen.

früher, ja, da gab es noch kurschatten 
für heiße wangen, schaltsignale
für gute ratschläge, schwingtüren 
für beifall von der falschen seite.

heute heißt es wunden lecken, rückwärts
vor dem einschlafen die telomeren zählen. 
hinter lichten vorhängen, mit gereizten
konjuktiven, das steht fest, wächst es 

sich nicht mehr raus, sondern rein 
ins gedächtnis: erste liebe kein drama,
blutgruppe selten, gerechtigkeit unbekannt.